Myw Portugal insolvent: Die Quote ist Theorie – die Zession ist Strategie
Mit Urteil des Handelsgerichts Lissabon (Az.: 22852/25.1T8LSB) vom 28. September 2025 wurde die Myw Portugal, Unipessoal, Lda. – eine Landesgesellschaft des internationalen myWorld-Konzerns – offiziell für insolvent erklärt. Der Fall gewinnt besondere Brisanz, weil derzeit erhebliche Zweifel bestehen, ob überhaupt nennenswerte Insolvenzmasse vorhanden ist, aus der Gläubiger entschädigt werden können.
Geringe Masse – hohe Prioritäten anderer Gläubiger
Erste Registerangaben lassen erkennen, dass das Stammkapital der Gesellschaft mutmaßlich im Bereich von rund 25.000 Euro liegt. Ob darüber hinaus substanzielle Vermögenswerte vorhanden sind, wurde bislang nicht veröffentlicht. In vergleichbaren Vertriebsstrukturen zeigte sich häufig, dass nationale Gesellschaften primär operative Rollen erfüllten, während Zahlungsströme konzernintern weitergeleitet wurden.
Kommt es im Insolvenzverfahren zu einer Aufarbeitung, gehen zuerst Massekosten sowie privilegierte Forderungen, zum Beispiel von Sozialversicherung, Fiskus oder Arbeitnehmern, vor. Für ungesicherte Geschädigte bleibt in solchen Konstellationen oft nur eine geringe oder gar keine Quote.
Individuelle Anmeldung im Insolvenzverfahren: Formal notwendig, praktisch oft wenig erfolgversprechend
Zwar müssen Forderungen innerhalb von 30 Tagen über das digitale Gerichtsportal angemeldet werden, um überhaupt berücksichtigt zu werden. Dies sichert jedoch lediglich eine formale Verfahrensposition, nicht aber eine wirtschaftlich relevante Aussicht auf Kompensation. Wer sich ausschließlich auf die Quote verlässt, befindet sich möglicherweise in einem Verfahren mit minimaler Ausschüttung und ohne Einfluss auf weitergehende Haftungsebenen.
Über das Insolvenzverfahren hinaus denken: persönliche und konzernweite Haftung prüfen
Wesentlich könnte nicht die Landesgesellschaft selbst sein, sondern die Frage, ob darüber hinausgehende Verantwortlichkeiten bestehen. Denkbare Haftungsansätze, deren Begründetheit erst noch zu prüfen ist, betreffen unter anderem:
- Pflichtenverstöße lokaler Entscheidungsträger,
- mögliche Konzernhaftung bei wirtschaftlicher Steuerung durch die Muttergesellschaft,
- deliktische Ansprüche bei vorsätzlicher Schädigung von Vertriebspartnern oder Kunden,
- verspätete Insolvenzanmeldung,
- etwaige Vermögensverschiebungen zugunsten einzelner Beteiligter.
Gerade bei multinationalen Strukturen zeigt sich häufig, dass wirtschaftlich relevante Entscheidungen außerhalb der Landesgesellschaft getroffen und Vermögenswerte nicht lokal gehalten wurden.
Warum ein Zessionsverfahren strategisch sinnvoll ist
Um solche Ansprüche effektiv zu verfolgen, schließen sich zunehmend Geschädigte gebündelt einem Zessionsmodell an. Dabei treten sie ihre Forderung ganz oder anteilig an eine spezialisierte Einrichtung ab, die diese kollektiv durchsetzt. Die Betroffenen bleiben wirtschaftlich beteiligt, geben jedoch die juristische Durchsetzung an professionelle Forderungsführer ab.
Ein gemeinschaftliches Zessionsverfahren kann dabei mehrere Vorteile bieten:
✅ Stärkere Verhandlungsposition durch Bündelung
✅ Möglichkeit, über das Insolvenzverfahren hinaus direkt gegen haftungsrelevante Personen oder Mutterstrukturen vorzugehen
✅ Zugang zu Beweismitteln aus parallel laufenden Konzerninsolvenzen
✅ Nutzung von Erkenntnissen über mögliche Bereicherungsstrukturen
✅ Wegfall individueller Prozesskostenrisiken (je nach Modell erfolgsbasiert)
✅ Vereinfachte grenzüberschreitende Anspruchsdurchsetzung nach EU-Recht (Brüssel-Ia-Verordnung)
Durch die parallel offenliegenden Insolvenzen weiterer Konzerneinheiten treten zunehmend Dokumente zutage, die auf wirtschaftliche Verschiebungen innerhalb eines klar umrissenen Personenkreises hinweisen. Dies erleichtert die Beweisführung bei Rückforderungsansprüchen, sofern diese gebündelt und gezielt gegen Haftungsverantwortliche verfolgt werden.
Fazit: Insolvenzteilnahme allein bietet wenig Perspektive – kollektive Durchsetzung kann wirkungsvoller sein
Die Myw Portugal-Insolvenz dürfte für viele Betroffene nicht das eigentliche Ziel, sondern nur ein formaler Einstieg sein. Wer lediglich seine Forderung anmeldet, sich aber nicht weiter engagiert, riskiert, am Ende leer auszugehen. Eine gebündelte Zession eröffnet demgegenüber die Chance, nicht bloß Quotengläubiger einer möglicherweise leeren Hülle zu sein, sondern aktiver Teil einer Haftungsaufarbeitung auf Konzern- oder Entscheidungsträgerebene zu werden.
Hinweis:
Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Beschwerden von Investoren und einer offiziellen Presseanfrage an Blocktrade. Es handelt sich um eine journalistische Analyse. Alle Aussagen über rechtliche Risiken oder mögliche Vertragskonstellationen sind als Einschätzungen zu verstehen, nicht als abschließende Rechtsberatung.
Quellen:
- Firmenregistereintrag Myw Portugal, Unipessoal, Lda., NIF 509960219 – Kapitalangabe ca. 25.000 €.
- Übersicht zu MyWorld International AG (vormals Lyoness) über Verbindlichkeiten, Steuerforderungen etc.
- Überblick über das Insolvenz- und Restrukturierungsrecht in Portugal (als Hintergrund zur Verfahrenslage).
- Firmenstatus „INSOLVENTE“ für Myw Portugal im portugiesischen Register.



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