Lyconet/myWorld: Insolvenzverwalter suchen weiter nach Spitzenmarketern
Insolvenzverwalter suchen nach früheren Lyconet-Spitzenmarketern, internationalen Gesellschaften und zustellfähigen Anschriften
Ein aktuelles Schreiben zum Insolvenzverfahren, das der Redaktion vorliegt, zeigt, dass die Aufarbeitung der Strukturen rund um Lyoness, Lyconet und myWorld keineswegs ins Stocken geraten ist. Die Insolvenzverwaltung recherchiert weiterhin zu ehemaligen Spitzenmarketern und bittet ausdrücklich darum, vorhandene Erkenntnisse zu natürlichen und juristischen Personen, Gesellschaften sowie aktuellen Anschriften miteinander abzugleichen.
Bereits der einleitende Satz des Schreibens ist bemerkenswert:
„Wir recherchieren nach wie vor zu den großen Marketern, wobei wir zu nachstehenden natürlichen und juristischen Personen unseren Informationsstand abgleichen wollen.“
Damit wird deutlich: Im Mittelpunkt stehen nicht nur die insolventen Gesellschaften selbst. Weiterhin geprüft werden auch frühere Schlüsselpersonen, internationale Unternehmensstrukturen, Immobilienverbindungen und mögliche Zustellanschriften im In- und Ausland.
Konkrete Suche nach Personen, Gesellschaften und Anschriften
In dem Schreiben werden unter anderem die in Malta registrierte Gesellschaft Sam White sowie Andreas und Maximilian Galler genannt. Nach den Recherchen der Insolvenzverwaltung seien beide aktuell nicht mit einem Haupt- oder Nebenwohnsitz in Österreich gemeldet.
Als frühere gemeinsame Meldeadresse wird eine Liegenschaft in Sankt Lorenzen im Mürztal angeführt, die nach den vorliegenden Informationen im Eigentum von Maximilian Galler steht.
Darüber hinaus verweist der Insolvenzverwalter auf Anschriften, die in Firmenbuch- beziehungsweise Registerunterlagen aufscheinen:
- für Maximilian Galler eine Adresse in Portugal,
- für Andreas Galler eine Adresse in Spanien.
Zugleich wird ausdrücklich festgehalten, dass diese Anschriften über die portugiesischen und spanischen Behörden bislang nicht verifiziert werden konnten.
Das Schreiben nennt außerdem die österreichischen Gesellschaften Nirak Immobilien und Beteiligungs GmbH sowie mySam GmbH, deren Alleingesellschafter nach den Ausführungen des Insolvenzverwalters Andreas beziehungsweise Maximilian Galler sind. Eine offizielle gesellschaftsrechtliche Verbindung dieser Unternehmen zur Lyoness-, Lyconet- oder myWorld-Gruppe ergibt sich aus dem Schreiben jedoch nicht. Vielmehr dürften sie im Rahmen der Recherche als wirtschaftliche Anknüpfungspunkte der genannten Personen von Interesse sein.
Offene Fragen zu einer Gesellschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage betrifft die WWBG Global FZ LLC. Hinter dieser Gesellschaft steht nach dem aktuellen Informationsstand Günter Rudolf Steininger.
Auch zu ihm liege aktuell keine österreichische Meldung vor. Als letzte bekannte Meldeadresse werde Großsteinbach in der Steiermark genannt. Aus historischen GISA-Auszügen gehe hervor, dass Steininger in den späten 1990er- beziehungsweise frühen 2000er-Jahren als Versicherungsvertreter tätig gewesen sei.
Zur WWBG Global FZ LLC wird vermutet, dass sie ihren Sitz in einer Freihandelszone der Vereinigten Arabischen Emirate hat. Eine konkrete Geschäfts- oder Zustellanschrift sei bislang jedoch nicht bekannt.
Gerade hierzu bittet die Insolvenzverwaltung ausdrücklich um weitere Informationen:
„Insbesondere zur WWBG Global und zu Herrn Steininger wären wir für jegliche Hinweise auf aktuelle zustellfähige Adressen im In- und Ausland sehr dankbar.“
Die internationale Aufarbeitung bleibt relevant
Das Schreiben fügt sich in ein zunehmend internationales Gesamtbild ein. Zivilrechtliche, strafrechtliche, insolvenzrechtliche oder behördliche Verfahren und Maßnahmen betreffen inzwischen zahlreiche Staaten, darunter Österreich, Deutschland, Spanien, Slowenien, Südafrika, Norwegen, die Türkei, die Schweiz, Italien, Kroatien, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina.
Für diesen Artikel ist jedoch ein anderer Punkt entscheidend: Die Insolvenzverwaltung arbeitet nicht nur abstrakt an historischen Unternehmensstrukturen. Sie sucht weiterhin konkret nach früheren Spitzenmarketern, Gesellschaften, Vermögensverbindungen und zustellfähigen Anschriften.
Auch ein Rückzug schützt nicht vor weiterer Aufarbeitung
Einige frühere Führungskräfte und Spitzenmarketer haben sich längst aus dem Umfeld von Lyoness und Lyconet zurückgezogen, treten heute bei anderen Projekten auf oder haben ihre öffentliche Präsenz weitgehend eingestellt.
Das vorliegende Schreiben zeigt jedoch, dass ein solcher Rückzug nicht automatisch bedeutet, aus dem Fokus der Aufarbeitung zu verschwinden. Frühere Funktionen, Gesellschaftsverbindungen, Immobilien, Zahlungsströme und internationale Strukturen können auch Jahre später noch Gegenstand insolvenzrechtlicher Recherchen sein.
Wer zunächst große wirtschaftliche Versprechen verbreitete, von den Einzahlungen einer Downline profitierte und sich später zurückzog, kann nicht ohne Weiteres davon ausgehen, dass die eigene Rolle damit erledigt ist. Entscheidend ist nicht die heutige Außendarstellung, sondern welche tatsächlichen Funktionen, Zahlungen und Vermögensverbindungen sich dokumentieren lassen.
Redaktion bittet um Hinweise
Die Redaktion verfügt über Kontakte zu zahlreichen ehemaligen Marketerinnen und Marketern sowie Geschädigten in unterschiedlichen Staaten. Belastbare Informationen können dazu beitragen, Erkenntnisse aus Insolvenzverfahren zu ergänzen und internationale Gesellschafts- und Vermögensstrukturen besser nachzuvollziehen.
Gesucht werden insbesondere Hinweise zu:
- aktuellen zustellfähigen Anschriften der genannten Personen,
- der Sam White in Malta,
- der WWBG Global FZ LLC,
- Gesellschaften und Beteiligungen im In- und Ausland,
- Immobilienbesitz und wirtschaftlichen Aktivitäten,
- Handels- und Unternehmensregistereinträgen,
- sonstigen Unterlagen, die zur Rekonstruktion von Vermögens- und Unternehmensstrukturen beitragen können.
Hinweise können vollständig anonym übermittelt werden.
Hinweisstelle: [email protected]
Fazit
Die zentrale Aussage des Schreibens ist unmissverständlich:
„Wir recherchieren nach wie vor zu den großen Marketern.“
Die Insolvenzverfahren sind eröffnet, doch die Aufarbeitung ist damit nicht beendet. Personen, Gesellschaften, Wohnsitze, Immobilien und wirtschaftliche Verflechtungen werden weiterhin geprüft. Gerade dort, wo aktuelle Zustellanschriften fehlen oder internationale Gesellschaftsstrukturen bislang nicht vollständig nachvollzogen werden können, sind belastbare Hinweise von besonderer Bedeutung.
Wer jahrelang vom Aufbau internationaler Vertriebsstrukturen profitierte, sollte nicht davon ausgehen, dass sich Fragen nach Verantwortlichkeiten, Vermögensverbindungen oder Zustellanschriften mit der Zeit erledigen. Das aktuelle Schreiben zeigt vielmehr, dass die Insolvenzverwaltung ihre Recherchen konsequent fortsetzt.
Hinweis:
Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Nutzerberichten und redaktioneller Analyse. Er dient der Information der Öffentlichkeit und fällt unter die Presse- und Meinungsfreiheit gemäß Art. 5 GG, Art. 10 EMRK und Art. 85 DSGVO. Tatsachen und Bewertungen wurden sorgfältig getrennt und entsprechend gekennzeichnet.
Quellen:
Gerichtliche und behördliche Unterlagen
- Landesgericht für ZRS Graz, Insolvenzverfahren myWorld International AG, GZ 27 S 129/25k (Ediktsdatei, öffentliche Bekanntmachungen).
- Landesgericht für ZRS Graz, Insolvenzverfahren Lyconet Austria GmbH, GZ 27 S 130/25g.
- 3. Bericht des Masseverwalters vom 25.01.2026 im Insolvenzverfahren Lyconet Austria GmbH.
Öffentliche Insolvenzunterlagen
- JustizOnline / Ediktsdatei – Verkauf der Marke myWorld.
- JustizOnline / Ediktsdatei – Verkauf internationaler Beteiligungen der myWorld International AG.
- Schreiben und Korrespondenzen aus laufenden Insolvenzverfahren, die der Redaktion vorliegen und ausgewertet wurden.
- Eigene Recherchen und Dokumentenauswertung der Redaktion.
Quellenhinweis: Der Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Gerichts- und Insolvenzunterlagen, Dokumenten aus den österreichischen Insolvenzverfahren, der Ediktsdatei der Republik Österreich sowie auf Schreiben und Korrespondenzen aus laufenden Insolvenzverfahren, die der Redaktion vorliegen. Sämtliche Bewertungen stellen die Einschätzung der Redaktion auf Grundlage dieser Unterlagen dar.
















Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!