Crypto-888-Club: Zehn Jahre bis zur Verurteilung – Was der Fall über internationale MLM-Krypto-Systeme zeigt
Der Crypto-888-Club galt Mitte der 2010er-Jahre als eines der frühen internationalen Krypto-Investmentprogramme mit MLM-Struktur. Anlegern wurden hohe Renditen, automatisierte Gewinne und ein schnell wachsendes globales Netzwerk versprochen. Jahre später endete das Projekt jedoch nicht mit finanziellen Erfolgen, sondern vor Gericht. Norwegische Gerichte verurteilten mehrere zentrale Akteure zu langjährigen Haftstrafen. Der Fall zeigt exemplarisch, wie internationale MLM- und Krypto-Investmentprogramme funktionieren und warum ihre strafrechtliche Aufarbeitung oft erst viele Jahre später erfolgt.
Vom Krypto-Investment zum Strafprozess
Mitte der 2010er-Jahre erschien der Crypto-888-Club im Internet als vermeintlich innovatives Investmentprojekt im Kryptobereich. Teilnehmer sollten Kryptowährungen erwerben, sogenannte „Mining-Pakete“ kaufen und über ein Netzwerkmodell neue Mitglieder anwerben.
Die Versprechen klangen vertraut: hohe Renditen, automatisierte Gewinne und ein schnell wachsendes internationales Netzwerk.
Fast ein Jahrzehnt später endete das Projekt jedoch vor Gericht. Norwegische Gerichte verurteilten mehrere zentrale Beteiligte zu langen Haftstrafen – ein Verfahren, das exemplarisch zeigt, wie lange es dauern kann, bis internationale MLM-Krypto-Systeme juristisch aufgearbeitet werden.
Die Köpfe hinter dem Crypto-888-Club
Zu den zentralen Figuren gehörte unter anderem Terje Hvidsten, der innerhalb des Systems unter dem Alias „Aleksander Romanov“ auftrat. Das Geschäftsmodell folgte dem typischen Muster vieler MLM-Investmentprogramme: Einstiegspakete, Provisionen für geworbene Teilnehmer und angebliche Gewinne aus Kryptowährungen.
Am Ende standen jedoch keine Trading-Erfolge, sondern Haftstrafen. Das norwegische Gericht verhängte unter anderem:
- Terje Hvidsten (63) – 11 Jahre Haft und Einziehung von rund 11,1 Mio. NOK
- Dag Haetta Eriksen (54) – 9 Jahre Haft und Einziehung von rund 25,4 Mio. NOK
- Pal Andre Borsting Berntsen (53) – 6 Jahre Haft und Einziehung von rund 17,8 Mio. NOK.
Damit wurde ein Netzwerk verurteilt, das über Jahre international operiert hatte.
Der Anwalt auf der Fahndungsliste
Petter Forsberg ist ein norwegischer Anwalt, dessen Kanzleikonten laut Anklage eine zentrale Rolle bei den Geldflüssen des Crypto-888-Systems gespielt haben sollen. Nach Darstellung der Ermittlungsbehörden wurden über seine Kanzlei Transaktionen in Millionenhöhe abgewickelt, über die Investorengelder weitergeleitet wurden. Nach Medienberichten wird im Zusammenhang mit dem Verfahren derzeit nach ihm gesucht.
International organisiert – internationale Opfer
Der Crypto-888-Club war kein lokales Projekt, sondern ein international organisiertes MLM-System mit Anlegern unter anderem aus China, Belgien, Schweden und den Niederlanden. Marketing, Betreiber und Zahlungsstrukturen waren über mehrere Staaten verteilt – ein typisches Muster globaler MLM-Programme.
Auch die Infrastruktur war international aufgebaut: Ermittler stießen auf Firmenstrukturen in Hongkong, Offshore-Konten, Kryptowährungszahlungen und internationale Vertriebsnetzwerke. Diese Struktur erschwerte die Strafverfolgung erheblich.
Die Ermittlungen blieben daher nicht auf Norwegen beschränkt: Ein Promoter wurde in Schweden verurteilt, ein weiterer Beteiligter später in Spanien festgenommen.
Ein früher Prototyp der europäischen Krypto-MLM-Szene
Der Crypto-888-Club entstand in einer frühen Phase des Kryptomarktes, als regulatorische Strukturen noch kaum existierten. Zwischen 2014 und 2017 entwickelte sich eine erste Generation europäischer Krypto-MLM-Programme, die Kryptowährungen als Investmentnarrativ mit klassischen MLM-Vertriebsmodellen und digitalen Zahlungswegen außerhalb des Bankensystems kombinierten.
Viele Mechanismen dieses Systems tauchten später auch in anderen Projekten wieder auf – etwa angebliche Mining- oder Trading-Algorithmen, tokenisierte Renditeversprechen und globale Empfehlungsnetzwerke.
Warum Ermittlungen gegen MLM-Promoter oft Jahre dauern
Der Crypto-888-Fall zeigt ein strukturelles Problem internationaler MLM-Programme: Die strafrechtliche Aufarbeitung beginnt häufig erst Jahre nach dem Zusammenbruch eines Systems. Promoter argumentieren später oft, sie seien lediglich Teilnehmer gewesen und hätten nur Marketing betrieben.
Ob jemand tatsächlich Mitorganisator eines Systems war, muss daher häufig erst in umfangreichen Ermittlungen geklärt werden. Internationale Firmenstrukturen, Offshore-Konten und Kryptowährungszahlungen verlängern solche Verfahren zusätzlich.
Crypto-888 und der Vergleich zu großen MLM-Systemen
Ein interessanter Vergleich ergibt sich mit dem Lyoness- beziehungsweise myWorld-Komplex. Bereits 2018 wurde Lyoness in Norwegen als verbotenes Pyramidensystem eingestuft und untersagt. Strafrechtliche Ermittlungen wurden damals jedoch aus Ressourcengründen nicht aufgenommen.
Der wirtschaftliche Umfang des Lyoness- bzw. myWorld-Systems wird in verschiedenen Analysen auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Zum Vergleich lag der Schaden im Crypto-888-Fall laut Gerichtsunterlagen bei rund 85 Millionen Euro.
Der Vergleich zeigt: Die Höhe eines Schadens entscheidet nicht allein darüber, wann strafrechtliche Verfahren beginnen.
Fazit: Internationale MLM-Systeme können lange bestehen – aber selten dauerhaft
Der Crypto-888-Fall zeigt ein Muster, das bei internationalen MLM-Investmentprogrammen häufig zu beobachten ist. Solche Systeme können über Jahre wachsen, bevor ihre Struktur juristisch vollständig aufgearbeitet wird. Komplexe Offshore-Konstruktionen, internationale Zahlungsströme und globale Vertriebsnetzwerke verzögern Ermittlungen erheblich.
Der Crypto-888-Club, einst als innovatives Krypto-Investment vermarktet, endete nach fast einem Jahrzehnt mit mehrjährigen Haftstrafen für zentrale Akteure. Die Geschichte zeigt daher vor allem eines: Internationale MLM-Systeme können lange bestehen – doch ihre juristische Aufarbeitung verschwindet selten dauerhaft aus dem Blick der Ermittlungsbehörden.
Hinweis:
Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Nutzerberichten und redaktioneller Analyse. Er dient der Information der Öffentlichkeit und fällt unter die Presse- und Meinungsfreiheit gemäß Art. 5 GG, Art. 10 EMRK und Art. 85 DSGVO. Tatsachen und Bewertungen wurden sorgfältig getrennt und entsprechend gekennzeichnet.
Quellen / Stand:
• Norwegische Gerichtsunterlagen zum Crypto-888-Verfahren
• Insolvenzberichte Lyconet Austria GmbH
• Insolvenzunterlagen myWorld International AG
• Eigene Recherche zu internationalen MLM- und Krypto-Investmentprogrammen








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