Zwischen Symbolik und Substanz – Warum Klagen in Italien gegen Lyconet/myWorld kaum Aussicht auf Rückzahlung haben
Mittlerweile wird in verschiedenen Ländern zu Klagen im Land aufgerufen, unter anderem in Spanien, Polen, Italien und weiteren Staaten. Wir befassen uns heute mit der Situation in Italien.
Für die nachstehenden Einschätzungen haben wir uns mit einer auf Wirtschaftsrecht spezialisierten italienischen Anwaltskanzlei in Verbindung gesetzt und die allgemeine Ausgangslage prüfen lassen; die folgenden Punkte bündeln deren grundsätzliche Einordnung und unsere eigene Analyse.
Die Insolvenz der myWorld International AG (Österreich) sowie der verbundenen Gesellschaften Lyoness Europe AG und Lyconet International AG (beide Schweiz) hat auch in Italien ihre Spuren hinterlassen. Laut Edikt der Insolvenzverwaltung vom 01.09.2025 reicht die vorhandene Masse nicht aus, um die Masseforderungen zu decken. Für einfache Gläubiger bedeutet das, dass aus dem Insolvenzverfahren selbst voraussichtlich keine Rückzahlungen zu erwarten sind.
Trotzdem bieten Kanzleien und Verbraucherschutzvereine Betroffenen Klagen in Italien an. Doch wie sinnvoll ist das, angesichts der veröffentlichten Kapitalstruktur der dortigen Gesellschaften?
Gesellschaften mit kleinem Kapitalpolster
In Italien bestehen drei operative Gesellschaften:
- Lyoness Italia S.r.l. – Stammkapital: 50.000 €, 100 % im Eigentum der Lyoness Europe AG (CH)
- Lyconet Italia S.r.l. – Stammkapital: 10.000 €, 100 % im Eigentum der Lyconet International AG (CH)
- myWorld Italia S.r.l. – Stammkapital: 10.000 €, 100 % im Eigentum der myWorld International AG (AT)
Zwei dieser drei Unternehmen verfügen lediglich über das gesetzliche Mindestkapital. Selbst Lyoness Italia erscheint mit 50.000 € Kapital voraussichtlich nicht in der Lage, nennenswerte Schadensersatzsummen zu leisten, wenn Hunderte oder Tausende Geschädigte Ansprüche geltend machen.
Klagen im Land – juristisch möglich, wirtschaftlich wenig erfolgversprechend
Verbraucher können in Italien Klagen anstrengen, etwa wegen Vertragsverletzungen, Rückforderungen oder Schadensersatz. Juristisch ist das zulässig; Verfahren können auch Beweise sichern oder Urteile gegen Organmitglieder vorbereiten.
Wirtschaftlich bleibt nach derzeitiger Aktenlage das Problem bestehen:
- Das Eigenkapital der italienischen Gesellschaften ist zu gering.
- Pfändbares Vermögen ist kaum vorhanden.
- Die Muttergesellschaften in Österreich und der Schweiz sind bereits insolvent und laut Mitteilung der Insolvenzverwalter vom 01.09.2025 ohne ausreichende Masse.
Parallelstrategien als (einziger) Hebel
Kanzleien betonen deshalb, dass Klagen in Italien nur ein Teil der Gesamtstrategie sein können. Parallel laufen u. a.:
- Strafanzeigen wegen des Verdachts des Betrugs (z. B. in Verona und Wien).
- Prüfung von Haftungsansprüchen gegen Entscheidungsträger – darunter Hubert Freidl – nach derzeitiger Erkenntnislage.
Nur wenn parallel Vermögenswerte im In- oder Ausland aufgespürt werden, ist eine eventuelle Zahlung realistisch.
Was Betroffene erwarten können
Realistisch betrachtet sollten Geschädigte derzeit nicht mit Rückzahlungen aus den italienischen Gesellschaften rechnen. Ihr Kapitalpolster ist zu gering, und die Insolvenz der Mütter entzieht ihnen die Grundlage.
Mögliche Ergebnisse von Klagen:
- Urteile in Italien, die später als Grundlage dienen können, um gegen Organmitglieder oder andere Gesellschaften vorzugehen.
- Strafrechtliche Konsequenzen für Verantwortliche, die mittelbar auch die zivilrechtliche Position der Geschädigten stärken können.
Fazit
Klagen in Italien haben für Geschädigte symbolische und strategische Bedeutung, bieten aber nach aktueller Aktenlage kaum Aussicht auf kurzfristige Rückzahlung. Das Insolvenzverfahren vom 01.09.2025 hat klar gezeigt: Die Masse reicht nicht aus. Wer dennoch klagt, sollte dies mit realistischen Erwartungen tun – es geht weniger um sofortige Zahlungen, sondern um Dokumentation, Haftungsfeststellung und rechtlichen Druck auf Verantwortliche.
Hinweis:
Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Beschwerden von Investoren und einer offiziellen Presseanfrage an Blocktrade. Es handelt sich um eine journalistische Analyse. Alle Aussagen über rechtliche Risiken oder mögliche Vertragskonstellationen sind als Einschätzungen zu verstehen, nicht als abschließende Rechtsberatung. Betroffene sollten im Zweifel anwaltliche Beratung in Anspruch nehmen.
Quelle:
- PULS24: „Sanierungsverfahren für myWorld: Learjet soll veräußert werden“, Bericht zu Aktiva/Passiva und Gläubigerlage, abgerufen am 05.09.2025.
- ORF Steiermark: „myWorld: Insolvenzverfahren eröffnet – Gläubiger und Aktiva im Überblick“, 05.09.2025.
- KSV1870 Insolvenzdatei: myWorld Austria GmbH – Insolvenzverfahren, Abruf 05.09.2025.
- AKV Europa: „myWorld International AG – Konkursverfahren eröffnet“, Fallbericht inkl. PDF, 05.09.2025.
- AKV Europa: „Lyconet Austria GmbH – Konkursverfahren eröffnet“, 06.08.2025.
- KSV1870 Insolvenzdatei: Lyconet Austria GmbH – Konkurs, Abruf 06.08.2025.
- ORF Steiermark: „Lyconet Austria GmbH insolvent: 565 Gläubiger betroffen“, 06.08.2025.
- Die Presse: „Lyconet insolvent – Vertriebsgesellschaft meldet Konkurs an“, 06.08.2025.
- Weekend Magazin: „Lyconet Austria meldet Insolvenz an“, 06.08.2025.
- Moneyhouse: Lyoness Europe AG in Liquidation, Handelsregisterauszug CH, Abruf 05.09.2025.
- ZEFIX – Zentraler Firmenindex Schweiz: Lyoness International AG in Liquidation, SHAB-Publikationen, Abruf 05.09.202
- Ufficiocamerale: myWorld Italia S.r.l., Fatturato 2023 € 13.434.503, ~35 Mitarbeiter, Abruf 05.09.2025.
- Ufficiocamerale (Detailauszug): myWorld Italia S.r.l., Capitale sociale € 10.000, Ergebnis 2023 –€ 1.569.957, Abruf 05.09.2025.
- FatturatoItalia: „myWorld Italia S.r.l. – Bilancio 2023“, Abruf 05.09.2025.
- ReportAziende: „myWorld Italia S.r.l. – dati economici“, Abruf 05.09.2025.
- Ufficiocamerale: Lyoness Italia S.r.l. (REA VR-368174), Bilanzdaten 2022, Abruf 05.09.2025.
- Visura.pro: Lyoness Italia S.r.l. – Capitale sociale € 50.000, Ergebnis 2020, Abruf 05.09.2025.
- Ufficiocamerale: Lyconet Italia S.r.l. (REA VR-435170), Umsatz 2023 € 3.383.205, ~5 Mitarbeiter, Abruf 05.09.2025.
- Visurissima: Lyconet Italia S.r.l., Capitale sociale € 10.000, Abruf 05.09.2025.
- Acquirenti APS / Studio Legale Leone-Fell: „FAQ – Azione Collettiva contro Lyconet/MyWorld“, Webinar-Dokumentation, Ausgabe 09/2025.
- TrendingTopics: „myWorld beantragt Sanierungsverfahren – 116 Mitarbeiter, 2.049 Gläubiger betroffen“, 04.09.2025.
- NEW BUSINESS: „Insolvenz bei myWorld – Hintergründe und Daten“, 04.09.2025.
- FinTelegram: „Lyoness/myWorld – Chronik einer Insolvenz“, kritische Analyse mit OGH-Bezug, 09/2025.





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