Offline, Online, abhängig, unsicher – Warum Blocktrade für Kunden zunehmend zum Risiko wird
Nach Tagen der Unerreichbarkeit ist die Handelsplattform wieder online. Doch technische Ausfälle, Abhängigkeit von ECS und die Verstrickungen mit dem insolventen myWorld-Konzern stellen Anleger vor existenzielle Fragen.
Technische Ausfälle als Alarmsignal
Mehrere Tage war Blocktrade nicht erreichbar, weder per App noch per Webinterface. Für Anleger bedeutete das: kein Zugriff auf ihre Konten, keine Möglichkeit, Positionen zu schließen oder Auszahlungen zu veranlassen. In einem volatilen Markt können selbst Stunden Ausfallzeit hohe Verluste verursachen.
Dass eine nach außen als „EU-reguliert“ beworbene Börse derart lange offline ist, ohne eine detaillierte Erklärung an die Nutzer zu geben, wirft erhebliche Zweifel an der technischen Stabilität und am internen Risikomanagement auf.
Illiquidität durch ECS-Abhängigkeit
Laut Daten von CoinMarketCap ist Blocktrade extrem einseitig aufgestellt: Rund 88,5 % des Handelsvolumens entfallen auf das Paar eCredits (ECS/EUR). Das eigene Token BTEX/EUR macht nur 11,5 % aus.
Eine solche Konzentration auf einen einzigen projektnahen Coin ist für eine Handelsplattform hochriskant. Bricht die Nachfrage nach ECS weg, könnte der Markt sofort austrocknen, mit der Folge, dass Anleger ihre Bestände nicht mehr verkaufen können.
Zusätzlich verschärft sich die Lage durch den Kursverlauf des hauseigenen Tokens BTEX. Während Blocktrade in den Kapitalrunden 2023/2024 Anteile („Class-B-Shares“) noch zu 0,216 – 0,24 € pro Stück ausgegeben hat, liegt der BTEX-Token aktuell bei rund 0,0021 €. Für viele Nutzer wirkt diese Diskrepanz enttäuschend: Wertversprechen und Realität klaffen weit auseinander, und die ohnehin geringe Handelbarkeit der Token verstärkt das Gefühl, auf illiquiden Assets sitzenzubleiben.
Reputationsrisiko durch myWorld-Verstrickungen
Blocktrade wurde im Netzwerk von Hubert Freidl als „seriöse europäische Brücke“ vermarktet. Viele Anleger betrachteten die Plattform deshalb als Auszahlungskanal ihrer Investments. Mit dem Konkurs von myWorld steht Blocktrade nun ebenfalls im Schatten der Kritik.
Die enge Verknüpfung zu einem insolventen MLM-Netzwerk könnte das Vertrauen in Blocktrade langfristig massiv beschädigen, nicht nur bei Anlegern, sondern auch bei Banken, Partnern und Aufsichtsbehörden.
Rechtlich zwischen den Fronten
Besonders problematisch: Viele Nutzer kamen nicht direkt zu Blocktrade, sondern über myWorld/Lyconet-Programme. Dort wurden „Benefit-Voucher“, aktienähnliche Beteiligungen oder Token-Anrechte verkauft – mit dem Versprechen, dass diese später über Blocktrade handelbar sein würden.
Mit der Insolvenz der myWorld International AG fühlen sich Anleger nun blockiert. Nach zahlreichen Betroffenenberichten scheinen viele der dort vermittelten Ansprüche nie als eigenständige, auf Blocktrade verwahrte Assets existiert zu haben. Für diese Anleger gilt: Blocktrade erkennt sie nicht als direkte Vertragspartner an, da ohne eigenes Blocktrade-Konto keine unmittelbare Vertragsbeziehung besteht.
Anders stellt sich die Lage für Kunden dar, die tatsächlich ein Konto bei Blocktrade eröffnet und den Nutzungsbedingungen zugestimmt haben: Für diese gilt die vertraglich zugesicherte Möglichkeit, ihre Vermögenswerte zu verwalten und im Rahmen der AGB auch Auszahlungen und Transfers vorzunehmen.
Fehlende Transparenz der Geschäftsleitung
Trotz wiederholter Anfragen von Investoren und Medien hat Blocktrade bisher keine klare Stellungnahme zur Situation abgegeben. Weder zur rechtlichen Anerkennung der über myWorld vermittelten Token, noch zu möglichen Auszahlungsoptionen oder zu einem Plan für die betroffenen Anleger.
Diese Informationspolitik verschärft die Unsicherheit: Kunden wissen weder, ob ihre Werte gesichert sind, noch ob und wann sie wieder frei darüber verfügen können.
Fazit: Anleger tragen das volle Risiko
Die Kombination aus
- wiederholten technischen Ausfällen,
- extremer Abhängigkeit von einem einzelnen Token,
- rechtlicher Unklarheit für Anleger ohne direktes Blocktrade-Konto und
- fehlender Transparenz durch die Geschäftsführung
macht Blocktrade für viele Kunden zu einem Hochrisikoszenario.
Für Investoren, die ausschließlich über myWorld/Lyconet an vermeintliche Token-Anrechte gelangt sind, besteht die Gefahr, dass ihre Forderungen in der Insolvenz von myWorld untergehen und nicht über Blocktrade realisierbar sind. Kunden mit echten Blocktrade-Konten und verwahrten Assets hingegen können sich auf die regulären Withdrawal- und Transferregeln der Börse berufen, solange die technische Stabilität der Plattform gewährleistet ist.
Hinweis:
Dieser Artikel stellt eine journalistische Analyse dar. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen. Zitate erfolgen im Rahmen des § 51 UrhG. Blocktrade wurde zur Stellungnahme eingeladen, eine Antwort lag bis Redaktionsschluss nicht vor.
Quellen:
Eigene Sichtung (Blocktrade-App/Website offline, August 2025), Nutzerberichte in öffentlichen Gruppen (z. B. Facebook uva., Abruf 29.08.2025).
CoinMarketCap – Blocktrade Markets (Abruf: 30.08.2025).
Rückmeldungen von Investoren in Facebook-Gruppen (z. B. Post vom 12.08.2025), Abruf 30.08.2025.
Keine belegte generelle Blocktrade-Stellungnahme; plausibel nach AGB, da ohne Konto keine Vertragsbeziehung.
Blocktrade Terms of Use – Abschnitt Withdrawals („User may immediately withdraw all Assets …“), sowie Produktseiten zu ECS („Transfer eCredits easily to and from the eWallet App“);
Eigene Anfrage an Blocktrade S.A. vom 27.08.2025; keine Antwort bis 31.08.2025.





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