Zwischen eCredits-Krise und BTEX-Spekulation – Blocktrade im Schatten der myWorld-Insolvenz
Warum fast 90 % des Handelsvolumens auf Blocktrade von eCredits abhängen und was das für Anleger bedeutet, die über myWorld/Lyconet in die Plattform geführt wurden.
Eine auffällige Marktverteilung
Laut Daten von CoinMarketCap dominiert derzeit ein einziges Handelspaar das Geschehen auf Blocktrade: eCredits (ECS/EUR) machen rund 88,5 % des zuletzt gemessenen Handelsvolumens aus. Das hauseigene BTEX/EUR-Paar bringt es dagegen nur auf etwa 11,5 %.
Für eine Plattform, die als „regulierte europäische Krypto-Börse“ positioniert wurde, ist diese Abhängigkeit von einem einzigen, projektnahen Token ungewöhnlich. Sie wirft Fragen nach Diversifizierung, Liquidität und Unabhängigkeit auf.
Einstieg über Lyconet und myWorld
Viele der heutigen Blocktrade-Nutzer kamen nicht zufällig auf die Plattform. Über Lyconet und myWorld wurden Kunden bereits ab 2021 in Programme wie sogenannte Benefit-Voucher-Modelle oder aktienähnliche Beteiligungen eingebunden.
In Präsentationen hieß es, Blocktrade werde die „zukünftige Börse für die eigenen Token“. Führungsfiguren rund um Hubert Freidl warben damit, dass über myWorld erworbene Anteile später direkt über Blocktrade handelbar sein sollten.
Der Umweg über eCredits und BTEX
Zentral war dabei das Projekt eCredits (ECS). Es wurde massiv im Netzwerk promotet – stets mit dem Versprechen, dass die Token frei auf Blocktrade handelbar seien. Parallel dazu platzierte Blocktrade sein eigenes BTEX-Token, das ebenfalls über Lyconet/myWorld vermarktet wurde.
Viele Kleinanleger zahlten „Marketing-Beiträge“ und erhielten Gutscheine oder Token-Anrechte, die schließlich auf Blocktrade-Konten eingebucht wurden.
Marketing-Versprechen als Brücke
Die Kommunikation folgte einem klaren Narrativ:
„Investiere über myWorld/Lyconet, und deine Einheiten/Token werden später über die regulierte Börse Blocktrade sichtbar und handelbar.“
Damit wurde Blocktrade nicht nur als technische Plattform, sondern als Seriositätsanker präsentiert. Für viele Anleger wurde die Börse so zum erwarteten Auszahlungskanal ihrer myWorld-Investments.
Beschwerden nach der Insolvenz
Mit der Insolvenz der myWorld International AG fühlen sich viele Anleger nun im Stich gelassen. Ihre angeblichen Beteiligungen oder Token seien nur über myWorld eingebucht worden, nicht direkt über Blocktrade.
Blocktrade erkennt sie nach bisherigen Rückmeldungen nicht als direkte Vertragspartner an, sondern verweist auf myWorld. Praktisch bedeutet das: Auszahlungen oder Handel sind eigentlich blockiert.
In einer öffentlichen Facebook-Gruppe heißt es etwa:
„I want my R20 000,00 invested on this platform back! This is unacceptable from Germany, Lyconet to MyWorld. I am from South Africa.“
Das Muster: myWorld → Lyconet → eCredits/BTEX → Blocktrade
Die Struktur zeigt ein klares Muster:
- myWorld organisierte die Investorenzuflüsse,
- Lyconet vermittelte Marketing und Programmmodelle,
- eCredits und BTEX fungierten als technische Anrechte,
- Blocktrade stellte die Plattform dar, auf der die Werte angeblich handelbar sein sollten.
Heute stehen die Anleger zwischen den Fronten:
- myWorld ist insolvent,
- Blocktrade verweist auf fehlende direkte Vertragsbeziehungen,
- viele Einlagen scheinen rechtlich in myWorld-Gesellschaften verblieben zu sein.
Offene Fragen an Blocktrade
In einer offiziellen Anfrage baten wir Blocktrade um Stellungnahme zu folgenden Punkten:
- In welcher Form erkennt die Börse die über myWorld/Lyconet vermittelten Token oder Anrechte an?
- Können betroffene Investoren ihre Werte auf eigene Wallets oder andere Plattformen übertragen?
- Welche Maßnahmen plant Blocktrade zur Herstellung von Transparenz und Rechtssicherheit?
- Wann wird die Geschäftsleitung die Öffentlichkeit offiziell informieren?
Eine Antwort stand bis Redaktionsschluss aus.
Fazit
Blocktrade wirbt mit Regulierung und Seriosität, doch die überwältigende Abhängigkeit von eCredits und die Vielzahl der Beschwerden aus dem Umfeld von myWorld/Lyconet lassen Zweifel an der tatsächlichen Unabhängigkeit aufkommen.
Für Anleger bedeutet das: Ohne klare Antworten von Blocktrade bleibt ungewiss, ob ihre Einlagen tatsächlich handelbar oder verfügbar sind oder ob sie in der Insolvenz und Token-Kette zwischen myWorld und Blocktrade verloren gehen.
Hinweis:
Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Beschwerden von Investoren und einer offiziellen Presseanfrage an Blocktrade. Es handelt sich um eine journalistische Analyse. Alle Aussagen über rechtliche Risiken oder mögliche Vertragskonstellationen sind als Einschätzungen zu verstehen, nicht als abschließende Rechtsberatung. Betroffene sollten im Zweifel anwaltliche Beratung in Anspruch nehmen.
Quellen / Stand:
- Eigene Sichtung (Blocktrade-App/Website offline, August 2025), Nutzerberichte in öffentlichen Gruppen (z. B. Facebook uva., Abruf 29.08.2025).
- CoinMarketCap – Blocktrade Markets (Abruf: 30.08.2025).
- Keine belegte generelle Blocktrade-Stellungnahme; plausibel nach AGB, da ohne Konto keine Vertragsbeziehung.
- Blocktrade Terms of Use – Abschnitt Withdrawals („User may immediately withdraw all Assets …“), sowie Produktseiten zu ECS („Transfer eCredits easily to and from the eWallet App“);
- Eigene Anfrage an Blocktrade S.A. vom 27.08.2025; keine Antwort bis 31.08.2025.
- Eigene Recherche, Anfrage an Blocktrade, Stand 31.08.2025






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