Im Sumpf der Schattenholdings – Maltas Rolle im Netzwerk von Lyoness/Lyconet/myWorld
Wie angekündigt, veröffentlichen wir nun nach und nach die zentralen Bezugspunkte unserer Arbeit, damit endlich sichtbar wird, in welchem Sumpf an Firmenkonstrukten dieses System wurzelt.
Hinter den bekannten Marken Lyoness, Lyconet und myWorld verbirgt sich kein Konzern, sondern ein intransparentes Netzwerk: neben den offiziellen Unternehmen ein Dschungel aus Briefkastenfirmen, Holdings und Beteiligungen – verteilt auf wenige, aber gezielt gewählte Standorte weltweit.
Neue Unterlagen aus dem WKStA-Verfahren 14 St 17/12m beleuchten ein Firmengeflecht im Umfeld des Lyoness-Gründers Hubert Freidl. Auffällig sind identische Adressen, wiederkehrende Akteure und Verbindungen zu Gesellschaften, die auch in den Paradise Papers auftauchen.
Ein komplexes Firmennetzwerk mit bekannter Handschrift
Interne Dokumente aus dem Verfahren 14 St 17/12m der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zeichnen ein klares Bild: In Malta existierte über Jahre hinweg ein eng verzahntes Netzwerk von Gesellschaften, die auf denselben Namen, dieselben Adressen und dieselben Bevollmächtigten zurückzuführen sind.
Im Zentrum steht die UTM Holding Limited, registriert unter der Nummer C 46560 im maltesischen Handelsregister. Als Anteilseigner treten laut Unterlagen Hubert Freidl, Gründer der früheren Lyoness-Gruppe, sowie die Austro Consulting Ltd. auf.
Die Geschäftsanschrift: 2323, Triq il-Kapuccini, Floriana FRN 1052, Malta – eine Adresse, die sich als zentraler Knotenpunkt eines dichten Firmengeflechts herausstellt.
Dort sind weitere Gesellschaften registriert, die laut Ermittlungsakten als „Lyoness-nahe“ bezeichnet werden: Austro Consulting Holding Ltd., Aldebaran Holding Ltd., Aldebaran Ltd. (Werner Kaiser), sowie die United Trade Mark Limited.
Überschneidungen von Personen und Firmen
Die United Trade Mark Limited gehört zu den auffälligsten Akteuren dieser Struktur. Sie wird von der UTM Holding Ltd. und der Austro Consulting Ltd. gehalten und ist wiederum an der WinWinWin Company Ltd. beteiligt, deren Gesellschafter Franz Rudolf Freidinger ist.
Diese Namens- und Personenüberschneidungen sind kein Zufall. Mehrere dieser Gesellschaften teilen dieselbe Adresse, dieselben Beteiligungsverhältnisse und – laut Unterlagen – häufig dieselben wirtschaftlich Berechtigten.
Auch die involvierten Personen sind seit Jahren aus dem Umfeld von Lyoness bekannt:
- Hubert Freidl – wirtschaftlicher Mittelpunkt der Holding-Struktur, Unterzeichner mehrerer Finanzdokumente.
- Peter Mühlbacher – mehrfach in maltesischen Firmenregistern als Company Secretary oder Director geführt, u. a. bei Clever & Smart Holding Limited und Clever & Smart Limited.
- Gunter Rudolf Steininger – ebenfalls in den Paradise-Papers-Datenbanken als Verantwortlicher maltesischer Gesellschaften genannt.
- Wolf Peter Rosenzopf – laut WKStA-Unterlagen in mehreren Vorgängen mit der Unternehmensgruppe verbunden.
Diese Personen bilden den wiederkehrenden Kern eines Netzwerks, das bereits seit Ende der 2000er-Jahre besteht – mit Überschneidungen zwischen österreichischen Gesellschaften, maltesischen Holdings und Privatstiftungen.
Das Darlehen an Alexander Lerch – ein Prüfstein für Geldflüsse
Ein besonders aufschlussreiches Detail findet sich in einem Schuldschein aus dem Jahr 2012:
Die United Trade Mark Limited gewährte Alexander Lerch ein Darlehen über 725.000 Euro, von denen laut Unterlagen 225.000 Euro bereits 2010 ausbezahlt worden sein sollen. Unterzeichnet wurde der Schuldschein von Hubert Freidl als „Bevollmächtigter der Darlehensgeberin“.
Brisant: Das Darlehen wurde erst zwei Jahre nach der Auszahlung grundbücherlich durch ein Pfandrecht besichert – ein unübliches Vorgehen, das nach Einschätzung von Juristen auf eine nachträgliche Legitimierung einer bereits abgewickelten Transaktion hindeutet.
Die WKStA wurde darauf hingewiesen, dass dieses Darlehen buchhalterisch nachvollziehbar sein müsste. Sollte das nicht der Fall sein, wäre der Verdacht einer mittelbaren Vermögensverschiebung gegeben – ein Punkt, der auch im Kontext möglicher Geldwäschevorgänge von Bedeutung ist.
Malta als juristischer Rückzugsort
Dass sich zahlreiche dieser Firmen in Malta konzentrieren, ist kein Zufall.
Der Inselstaat galt in den 2010er-Jahren als bevorzugter Standort für Gesellschaften mit niedriger Transparenzpflicht, verkürzter Offenlegung und begrenzter Einsicht in wirtschaftliche Eigentümer.
Gerade in Kombination mit Holdingstrukturen – wie sie bei der UTM Holding Ltd. und ihren Tochtergesellschaften vorliegen – ermöglicht das eine nahezu lückenlose Verschleierung von Kapitalflüssen zwischen EU-Staaten.
Auch die in den Paradise Papers aufgelisteten Gesellschaften Clever & Smart Holding Limited und Clever & Smart Limited teilen diese Merkmale: Sie wurden über denselben juristischen Dienstleister in Sliema, Malta, geführt und weisen personelle Überschneidungen zu den oben genannten Beteiligten auf.
Ermittlungsinteresse und offene Fragen
Mehrere Betroffene im Verfahren 14 St 17/12m boten der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) an, zusätzliche Unterlagen zu den maltesischen Firmenkonstruktionen vorzulegen. Nach derzeitigen Erkenntnissen geht die Behörde den Hinweisen nach.
Fest steht jedoch: Die Namen, Adressen und Firmenverflechtungen sind dokumentiert und sie deuten auf eine kontinuierliche Struktur hin, die seit Jahren im Umfeld von Lyoness- und myWorld-Verantwortlichen existiert.
Mehrere der genannten Personen, darunter Bruno Michl, Peter Mühlbacher und Gunter Rudolf Steininger, sind zudem in der ICIJ-Datenbank (Paradise Papers) verzeichnet.
Fazit
Die vorliegenden Unterlagen legen nahe, dass Malta über Jahre hinweg als juristische Schaltstelle für Gesellschaften aus dem Umfeld von Lyoness diente.
Identische Adressen, wiederkehrende Personen und komplex verschachtelte Eigentumsverhältnisse sprechen für ein strukturiertes Vorgehen, dessen Zweck offenbar in der Abschirmung wirtschaftlicher Interessen lag.
Ob diese Konstrukte ausschließlich steueroptimierende Ziele verfolgten oder darüber hinaus geldwäschereirelevante Elemente enthielten, bleibt eine Frage laufender und künftiger Ermittlungen.
Klar ist jedoch: Die Spuren führen tiefer, als bisher öffentlich bekannt – und Malta spielte dabei offenbar eine zentrale Rolle.
Hinweis:
Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Beschwerden von Investoren und einer offiziellen Presseanfrage an Blocktrade. Es handelt sich um eine journalistische Analyse. Alle Aussagen über rechtliche Risiken oder mögliche Vertragskonstellationen sind als Einschätzungen zu verstehen, nicht als abschließende Rechtsberatung.
Quellen:
- Unterlagen aus dem Strafverfahren 14 St 17/12m, WKStA Wien
- Malta Business Registry (mbr.mt) – Auszüge zu UTM Holding Ltd., Austro Consulting Ltd., United Trade Mark Ltd.
- ICIJ Offshore Leaks Database / Paradise Papers (Abruf: Oktober 2025)
- Eigene Sichtungen und Auswertungen, Stand 28. Oktober 2025





Es geht immer tiefer hinein in das Rabbit Hole von Lyoness, bin gespannt was noch alles ans Licht kommt vom Pyramidenkönig Freidl und Konsorten!