Wenn Cashback zur Europol-Akte wird – Der 27. Mai 2025 als Startpunkt koordinierter Ermittlungen gegen Lyoness/Lyconet/MyWorld
Ein amtssigniertes BKA-Dokument bestätigt: Spanien, Österreich und Estland untersuchen den Konzernkomplex wegen des Verdachts eines betrugsähnlichen Pyramidensystems. Unter anderem gegen Gründer Hubert Freidl wird wegen Betrugs und betrügerischer Krida ermittelt.
Der Wendepunkt: 27. Mai 2025
Der 27. Mai 2025 könnte als jener Tag in die europäische Ermittlungschronik eingehen, an dem aus einem umstrittenen Cashback- und Empfehlungsmarketingmodell ein transnationaler Verdachtsfall wurde. In einem von Europol koordinierten Treffen einigten sich Ermittlungsbehörden aus Spanien, Österreich und Estland darauf, den Firmenkomplex rund um Lyoness, Lyconet und MyWorld strukturell zu analysieren, Beweisdaten abzugleichen und zentrale Akteure systematisch zu untersuchen. Damit erfolgte erstmals eine offizielle europäische Einordnung des Systems als potenziell pyramidenschemaähnliche Struktur.
Ein amtssigniertes Schreiben des österreichischen Bundeskriminalamts (BKA) vom 12. Juni 2025 dokumentiert diesen Schritt detailliert.
Spanien: Hunderte gemeldete Geschädigte, Millionenverlust, Pyramidensystem-Verdacht
Die Operation trägt den Codenamen „OP PELDAÑO“ und wird von der spanischen Nationalpolizei geführt. Nach deren Darstellung sollen über 800 Personen in Spanien durch ein System geschädigt worden sein, das auf einer einmaligen Zahlung („Abo“) beruhte – gegen das Versprechen von Rabatten bei Cashback-Partnern und eines „passiven, lebenslangen Einkommens“ bei weiterer Rekrutierung. Der finanzielle Schaden wird auf über 5 Millionen Euro geschätzt; die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Die Ermittler sehen die Spanientochter MWS MyWorld Customer & Retail Services Spain SL als Teil eines größeren, in Österreich und anderen Ländern gesteuerten Geflechts. Die Ermittlungsbehörden haben inzwischen wahrgenommen, dass MyWorld in Österreich als „Mutterstruktur“ agiert, deren verantwortliche Ableger sich zudem in der Schweiz und Großbritannien befinden.
Österreich: WKStA führt Betrugsermittlungen gegen Hubert Freidl und weitere Personen
Österreich spielt im Netzwerk eine zentrale Rolle. Das BKA verweist auf ein Verfahren der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), Aktenzeichen 33 St2/23mm. Gegen Hubert Freidl, Gründer von Lyoness/Lyconet/MyWorld, sowie weitere Personen wird demnach wegen Betrugs und betrügerischer Krida ermittelt, Letzteres im Zusammenhang mit dem möglichen Entzug oder der Verschiebung von Vermögenswerten zulasten von Gläubigern.
Zuständig ist ein leitender Oberstaatsanwalt, der bislang nicht dadurch aufgefallen ist, in Verfahren dieser Größenordnung durch besondere Eilfertigkeit oder konsequente Eskalation hervorzutreten. Entsprechend bleibt offen, ob die Ermittlungen in Österreich mit jener Dynamik vorangetrieben werden, die auf europäischer Ebene bereits sichtbar geworden ist.
Die Ermittlungsbehörden prüfen nach vorliegenden Angaben nicht nur individuelle Täuschungsvorwürfe, sondern offenbar auch strukturelle Funktionsmechanismen des gesamten Systems.
Die Europol-Runde als Startpunkt koordinierter Ermittlungen
Beim Europol-Treffen vom 27. Mai 2025, das im Dokument ausdrücklich genannt wird, beschlossen die Delegationen:
✅ den länderübergreifenden Abgleich von Beschuldigten,
✅ die strukturelle Durchleuchtung mehrerer Gesellschaften,
✅ die Zusammenführung polizeilicher Erkenntnisse,
✅ die Anforderung weiterer Informationen aus Österreich.
Diese Koordination ist ein Indikator dafür, dass Ermittlungsbehörden das Modell nicht mehr als nationale Einzelfrage, sondern als mögliches europäisches Systemdelikt betrachten.
Zielscheibe: zentrale Firmen der MyWorld-/Lyconet-Architektur
Die spanischen Behörden ersuchen Österreich um Auskünfte zu folgenden Unternehmen, sämtlich im MyWorld-/Lyconet-Umfeld aktiv:
• Lyoness Austria GmbH
• Lyconet International AG
• Lyconet MSP GmbH
• MyWorld Austria GmbH
• MyWorld International AG
• MyWorld.com Operations GmbH
• Mediaworld Agency GmbH
• Travelworld Austria GmbH
Weshalb das Europol-Treffen eine juristische Zäsur ist
Zum ersten Mal wird die Systemfrage nicht isoliert nach Landesrecht geprüft, sondern in einem europäischen Verbund, bei dem Verteidigungsstrategien wie „Einzelfälle“ oder „falsches Verständnis des Systems durch Vertriebspartner“ deutlich schwerer aufrechtzuerhalten sein könnten.
Ausblick: Ein europäischer Präzedenzfall in Vorbereitung
Die Koordination über Europol, die gelisteten Unternehmen und die Verfahrensführung gegen zentrale Akteure wie Freidl weisen darauf hin, dass sich die Bewertung des Systems aus Sicht der Strafbehörden verschärft. Diese und weitere internationale Ermittlungen lassen den Fall langsam zu einem der größten MLM-rechtlichen Komplexe Europas werden – mit potenziell weitreichenden Folgen für Haftungsstrukturen, Vertriebsverantwortung und die Rolle international verteilter Firmennetze. Die Schäden gehen weltweit in den hohen dreistelligen Millionenbereich.
Fazit
Mit dem Europol-Treffen vom 27. Mai 2025 hat der Fall Lyoness/Lyconet/MyWorld eine neue Stufe erreicht: Aus einem national umstrittenen Bonusmodell ist ein europaweit beobachteter Verdachtsfall geworden. Ob die strukturellen Vorwürfe eines pyramidenschemaähnlichen Systems bestätigt werden, wird nun maßgeblich davon abhängen, wie konsequent die beteiligten Staaten – insbesondere Österreich – ihre Ermittlungen weiterführen. Gelingt eine substanzielle Aufarbeitung, könnte der Fall zum Präzedenzbeispiel für den Umgang mit grenzüberschreitenden MLM-Strukturen in Europa werden. Andernfalls droht er als weiteres Beispiel für juristische Verzögerungen bei komplexen Wirtschaftssystemen in Erinnerung zu bleiben.
Hinweis:
Dieser Artikel basiert auf einem amtssignierten Dokument des österreichischen Bundeskriminalamts vom 12. Juni 2025 sowie offiziellen Angaben spanischer Ermittlungsbehörden. Er beruht auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Beschwerden von Investoren und eigener journalistischer Analyse. Alle Aussagen über rechtliche Risiken oder mögliche Vertragskonstellationen sind als Einschätzungen zu verstehen und stellen keine Rechtsberatung dar.
Quellen:
Bundeskriminalamt Österreich (BKA):
Amtssigniertes Schreiben an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), Geschäftszahl PAD/25/00345662/004/KRIM, datiert 12. Juni 2025. Elektronisch gefertigt und verifiziert über die Signaturplattform der Republik Österreich.
– Der Redaktion vollständig vorliegend.
Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), Österreich:
Ermittlungsverfahren unter der Geschäftszahl 33 St2/23mm wegen des Verdachts auf Betrug und betrügerische Krida gegen Hubert Freidl und weitere Personen.
– Erwähnt im BKA-Dokument
Europol (27. Mai 2025):
Im BKA-Dokument dokumentiertes, von Europol organisiertes Koordinationstreffen mit Beteiligung Spaniens, Österreichs und Estlands zur Analyse des Lyoness/Lyconet/MyWorld-Komplexes.
– Bezug im SIENA-Auszug.
Policía Nacional (Spanien), Zentralstelle für Finanzbetrug:
Operation „OP PELDAÑO“: Ermittlung wegen mutmaßlichen Pyramidensystembetrugs mit über 800 Betroffenen und einem dokumentierten Schaden von über 5 Millionen Euro.













Warum wird Hubert Freidl nicht endlich eingesperrt? Warum erlaubt man ihm und seinen Handlangern unter anderen Namen immer noch weiter zu machen?
Wir sehen das genauso. Seit 2016 dokumentieren und melden wir die Aktivitäten rund um Hubert Freidl und sein Umfeld regelmäßig an die Staatsanwaltschaften in Wien, Düsseldorf, Köln, Regensburg und Graz, teils auch als eigene Anzeigeerstatter.
Trotz umfangreicher Beweisdokumentation und sogar eines von der Staatsanwaltschaft selbst in Auftrag gegebenen Wirtschaftsgutachtens, das klare Hinweise auf strafbare Handlungen enthielt, wurden die Ermittlungen nicht konsequent weitergeführt. Nach zwölf Dienstaufsichtsbeschwerden erhielten wir stattdessen von der Behörde selbst Drohungen mit „Maßnahmen“, ein bezeichnendes Signal für den Zustand der Strafverfolgung in diesem Komplex.
Wir bleiben dran und dokumentieren weiter, wie diese Strukturen unter neuen Namen fortgesetzt werden, denn der Wind hat sich gegen die Staatsanwaltschaften gedreht. Durch die Insolvenzen von Lyconet/myWorld wird die ganze bisherige Untätigkeit der Behörden ans Licht. Hierzu wird in kürze eine Petition gestartet, damit die Staatsanwaltschaften die Notwendigkeit und das öffentliche Interesse erkennen.
Das Freidl und Konsorten nach Jahren des offensichtlichen und rechtlich Verurteilten Betrugs noch immer Frei sind ohne Strafe ist eine Schande der weltweiten Justiz, ich hoffe das die Gerechtigkeit sowie Karma am Ende zugunsten der Geschädigten Strafe und Geld walten wird!