Stille Rekrutierung im Balkan – Wie sich nach Slowenien und Mazedonien nun auch immer mehr serbische Marketer melden
Ein wachsendes Schadensbild nach der Insolvenz von myWorld und Lyconet
Seit der Insolvenzeröffnung über myWorld International AG und die verbundenen Lyconet-Gesellschaften Anfang August 2025 weitet sich das Schadensbild deutlich aus. Neben zahlreichen Meldungen aus Österreich, Spanien, Italien, Deutschland und Slowenien erreichen nun auch vermehrt Nachrichten aus Mazedonien, Bosnien und Serbien verschiedene Verbraucherstellen und Medien.
Die Schilderungen zeigen ein nahezu identisches Muster: Lokale Anwerbung über vertraute Personen, Versprechen von Beteiligungen an „Zukunftsprojekten“, wiederholte Änderungen der Auszahlungsbedingungen – und schließlich der Verlust des Zugangs zu den eigenen Kontodaten, nachdem die Systeme abgeschaltet wurden.
Was in Slowenien längst als Massenphänomen sichtbar ist, scheint sich damit auf weitere Staaten des westlichen Balkans auszuweiten. Nach den vorliegenden Berichten wurden Interessenten in diesen Ländern nicht als klassische Vertriebspartner, sondern als Investoren in Digitalisierungs-, Cashback- oder Immobilienprojekte angesprochen.
In der Praxis handelte es sich jedoch um dasselbe System aus interner Punktelogik, „Cloud-Anteilen“ und Bonusversprechen, das auch in anderen Märkten eingesetzt wurde.
Ein systematisches Nachbeben im gesamten Balkanraum
Nach Einschätzung von Marktbeobachtern sind die Schäden im gesamten Balkanraum inzwischen immens. Besonders gravierend ist der Umstand, dass ein erheblicher Teil der Einzahlungen zwischen 2022 und 2024 erfolgte – also genau zu dem Zeitpunkt, als myWorld/Lyconet in Mitteleuropa bereits an Reichweite verlor und nach vorliegenden Unterlagen strukturell zahlungsunfähig war.
Während in Österreich, Deutschland und der Schweiz bereits erste Restrukturierungen, Umbenennungen und Zahlungsschwierigkeiten sichtbar wurden, expandierten dieselben Strukturen still in Richtung Südosteuropa. Dort wurde gezielt mit neuen Narrativen geworben – etwa mit angeblichen Regionalförderprogrammen, Beteiligungen an „Zukunftsprojekten des Balkans“ oder der Vision eines „europäischen Cashback-Netzes“.
Nach derzeitigem Erkenntnisstand entstand so eine der späten Expansionsphasen eines Systems, das im Kern bereits wirtschaftlich geschwächt war. Juristisch betrachtet deutet vieles darauf hin, dass die Erschließung des Balkanmarkts nicht zufällig, sondern strategisch motiviert erfolgte:
In Ländern mit geringerer Medienberichterstattung und sprachlichen Barrieren ließen sich neue Einzahler gewinnen, während in Westeuropa bereits offen über Liquiditätsprobleme berichtet wurde.
Slowenien als Ausgangspunkt – Vertrauen, Sprache und Intransparenz
Nach der Insolvenz von myWorld International am 4. August 2025 und der kurz darauf folgenden Insolvenz von Lyconet meldeten sich zunächst zahlreiche Geschädigte aus Slowenien. Viele von ihnen berichten, dass sie seit der Abschaltung der internen Systeme keinen Zugriff mehr auf ihre Konten, Provisionshistorien oder vermeintlichen Anlagewerte haben.
Alle verbundenen Webseiten und das Backoffice wurden deaktiviert – die Betroffenen wurden faktisch von ihren eigenen Nachweisen abgeschnitten, sofern sie diese nicht bereits gesichert hatten.
Nach Angaben des slowenischen Nachrichtenportals Siol.net (Oktober 2025) sind mehr als zehntausend Personen betroffen, einzelne mit sechsstelligen Einlagen, teils kreditfinanziert.
Sobald Auszahlungen fällig geworden wären, seien die Regeln geändert und Guthaben in „Cloud-Aktien“ oder angebliche Eigentumsanteile umgewandelt worden, etwa an einem Immobilienprojekt in Hannover, das sich, wie sich später zeigte, als reine Marketing-„Fake-Investition“ entpuppte.
Besonders auffällig ist, dass Lyconet in Slowenien über ein enges Netz lokaler Führungspersonen agierte. Mindestens ein slowenischer Promoter war im Top-Management sichtbar aktiv und trat bei Großveranstaltungen als Verbindung zur internationalen Unternehmensgruppe auf. Dadurch entstand der Eindruck, man investiere in echte Sachwerte, nicht in ein klassisches Network-Marketing-System.
Serbien – dieselben Muster, neue Dimension
Inzwischen melden sich auch zahlreiche Anleger aus Serbien. Die geschilderten Abläufe ähneln auf beunruhigende Weise den Fällen aus Slowenien:
Versprochene Beteiligungen, nachträgliche Änderungen der Auszahlungsbedingungen, interne Punkte- oder „Anteilssysteme“ – aber kein realer Geldfluss zurück an den Einzahler.
Interessenten wurden nicht als klassische Vertriebspartner, sondern als Investoren in angebliche Zukunftsprojekte angesprochen – mit Bezug auf Digitalisierung, Cashback-Infrastruktur oder Immobilien.
Ihnen wurde vermittelt, sie beteiligten sich an einer ernsthaften internationalen Unternehmensgruppe, nicht an einem Marketingprogramm.
Fazit
Die „stille Rekrutierung im Balkan“ offenbart eine besorgniserregende Dynamik:
Ein System, das sich über Vertrauen, Sprache und lokale Vermittler verbreitete, nutzte gezielt Informationslücken aus.
Während in Zentraleuropa bereits Insolvenzverfahren liefen, wurden in Südosteuropa weiterhin Gelder eingesammelt – oft von Menschen, die glaubten, in reale Projekte zu investieren.
Nach derzeitiger Einschätzung sind die finanziellen und sozialen Schäden im gesamten Balkanraum immens und entstanden in einer Phase, in der myWorld/Lyconet in anderen Ländern bereits faktisch zahlungsunfähig war.
Die Zahl der Meldungen aus Serbien, Mazedonien und Bosnien steigt seither kontinuierlich – ein deutliches Zeichen, dass die Aufarbeitung erst am Anfang steht.
Hinweis:
Diese Veröffentlichung stellt eine journalistische Analyse und rechtliche Erstbewertung dar. Sie ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Betroffene sollten sämtliche Nachweise (Überweisungen, Chatverläufe, Präsentationen, Vertragsunterlagen) sichern und sich zeitnah rechtlich beraten lassen – insbesondere, wenn Einzahlungen kreditfinanziert wurden oder kein vollständiger Dokumentennachweis vorliegt.
Quellen:
- Siol.net, „Slovenski vlagatelji v Lyconet“, Oktober 2025
- Öffentliche Insolvenzunterlagen myWorld International AG, Graz, August 2025
- Medien- und Fallberichte aus Slowenien, Serbien und Mazedonien, August–Oktober 2025
- Eigene Recherchen, Stand 31. Oktober 2025












Ich glaube persönlich die Familie von Pyramidenkönig Giftzwerg Freidl wird demnächst Besuch aus dem Balkan in der Weststeiermark bekommen…