Der Zusammenbruch geht weiter – weitere myWorld-Tochter in Großbritannien zwangsliquidiert
Von Cashback World zu myWorld International – wie die britische Gesellschaft im Insolvenzregister verschwindet und was das für Marketer bedeutet
Das nächste Kapitel im globalen Zerfall
Es ist amtlich: Die britische myWorld International Limited, früher bekannt als Cashback World Europe Limited und myWorld Europe Limited, befindet sich seit Juli 2024 in gerichtlich angeordneter Liquidation. Unmittelbar davor hat man das Unternehmen noch in BENEFIT4ME INTERNATIONAL LIMITED unbenannt.
Damit ist eine weitere zentrale Auslandsgesellschaft der Lyconet-/myWorld-Struktur offiziell abgewickelt, nach einem Verfahren, das auf Antrag von Gläubigern eröffnet wurde.
Die Entwicklung reiht sich ein in eine Serie von Insolvenzen und Löschungsverfahren, die die ehemalige Cashback-Welt von Hubert Freidl inzwischen europaweit erfasst haben.
Kaum Werte, hohe Kosten & 1,54 Mio. Pfund Schulden
Der aktuelle Progress Report der Liquidatoren zeigt: Von der früheren myWorld International Ltd. (nun Benefit4me International Ltd.) ist finanziell kaum etwas übrig.
Auf den Konten fanden sich nur rund £29.500, während Verbindlichkeiten von £1,54 Mio. und Liquidationskosten von über £182.000 bestehen.
Die Konten bei UniCredit Bank Austria sind laut Bericht „überzogen und ohne verwertbare Mittel“. Als letzte Hoffnung gelten eine deutsche Steuererstattung von bis zu €250.000 und £100.000 auf einem Treuhandkonto, beide ungesichert.
Ohne diese Rückflüsse bleibt die Gesellschaft faktisch wertlos, für Gläubiger bleibt nichts übrig.
Ein Firmennetz mit wechselnden Namen – und identischer Struktur
Laut dem britischen Handelsregister Companies House (Company No. 10776184) wurde die Gesellschaft am 17. Mai 2017 gegründet und in den folgenden Jahren mehrfach umbenannt:
| Zeitraum | Firmenname |
| 17.05.2017 – 09.11.2017 | Cashback World Europe Limited |
| 09.11.2017 – 04.01.2018 | myWorld Europe Limited |
| 04.01.2018 – 30.04.2024 | myWorld International Limited |
Die wechselnden Namen spiegeln den bekannten Rebranding-Prozess der Lyconet-/myWorld-Gruppe wider – von Cashback World über myWorld bis hin zu den heutigen Nachfolgeprojekten wie Cashback Universe und Enigmatic Smile.
Hinter den Marken stand in Großbritannien eine Gesellschaft mit dem Geschäftszweck „Other professional, scientific and technical activities“ (SIC 74909) – also eine rechtlich breit gefasste Verwaltungseinheit ohne konkrete operative Tätigkeit.
Zwangsliquidation nach dem Insolvency Act 1986
Das Verfahren wurde am 11. Januar 2024 beantragt und am 17. Juli 2024 eröffnet.
Die Abwicklung erfolgt nach dem britischen Insolvency Act 1986, also nach den Vorschriften einer Compulsory Liquidation, einer Zwangsauflösung durch Gläubigerantrag, nicht durch freiwillige Entscheidung der Eigentümer.
Als Liquidatoren sind laut Register bestellt:
- Michael T. Leeds und
- Kristina Kicks, beide von Interpath Ltd, 10 Fleet Place, London EC4M 7RB.
Diese Kanzlei gilt als spezialisierter Insolvenzverwalter für internationale Holdingstrukturen. Damit ist klar: Die britische myWorld-Gesellschaft wird nicht saniert, sondern vollständig abgewickelt.
Nach britischem Recht (§§ 231–244 Insolvency Act 1986) kann auch dieser Verwalter frühere Zahlungen prüfen und Rückforderungen („clawbacks“) veranlassen, falls Gläubiger in den letzten Jahren bevorzugt wurden.
Für Gläubiger außerhalb Großbritanniens, also auch für ehemalige Lyconet-Marketer in der EU bedeutet dies, dass Forderungen nur über den Liquidator und in Pfund Sterling geltend gemacht werden können.
Überfällige Bilanzen und verschwiegene Verluste
Die letzten eingereichten Abschlüsse stammen aus dem Jahr 2018.
Der nächste Abschluss wäre Ende 2020 fällig gewesen, wurde aber nie eingereicht, ein klarer Verstoß gegen die Offenlegungspflichten nach dem Companies Act 2006.
Auch während der laufenden Liquidationsvorbereitung wurde noch eine Confirmation Statement abgegeben (Mai 2024), offenbar um den formalen Status der Gesellschaft zu sichern, bevor die Löschung vollzogen wird.
Das Bild ist eindeutig: Schon vor Beginn des Insolvenzverfahrens bestand keine ordnungsgemäße Finanzberichterstattung, was auf eine längere Phase finanzieller Instabilität oder interner Verschiebungen schließen lässt.
Ein europaweites Abwicklungsnetz
Die Zwangsliquidation in Großbritannien ist kein Einzelfall, sondern Teil eines europaweiten Abwicklungsprozesses:
| Land | Gesellschaft | Status |
| Österreich | myWorld International AG | Konkursverfahren, Schließungsbeschluss vom 13. 08. 2025 |
| Großbritannien | myWorld International Limited | Zwangsliquidation seit 17. 07. 2024 |
| Deutschland | myWorld Germany GmbH | gelöscht (vormals Sitzverlagerung nach Österreich) |
| Ungarn | myWorld Hungary Kft | inaktiv, Löschung eingeleitet |
| Polen | myWorld Polska Sp. z o.o. | inaktiv / kein operativer Betrieb |
| Spanien | myWorld Spain S.L. | im Löschverfahren; Ermittlungen wegen mutmaßlicher Schneeballsystem-Struktur im Umfeld der „Operation Peldaño“ |
In Spanien läuft seit Mai 2025 ein Ermittlungsverfahren („Operación Peldaño“), bei dem laut Ermittlungsunterlagen mehr als 800 Betroffene und mehrere Millionen Euro Schaden geltend gemacht werden.
Auch in Polen und Ungarn befinden sich die lokalen Tochtergesellschaften laut Handelsregistern in Löschungs- oder Ruhestandsverfahren, meist ohne aktuelle Geschäftstätigkeit.
Von der „International AG“ zur „Cashback Universe LLC“ – ein bekanntes Muster
Nach Einschätzung mehrerer Rechtsexperten zeigt die Abfolge der Insolvenzen und Namenswechsel ein typisches Muster sogenannter „Phoenix Companies“:
Alte Gesellschaften mit finanziellen Verpflichtungen werden liquidiert, während neue Firmen mit nahezu identischem Geschäftsmodell und Personal weitermachen.
Im konkreten Fall: Die bisherige myWorld-Struktur wird durch neue Akteure wie Enigmatic Smile Limited oder Cashback Universe LLC ersetzt – allerdings mit Sitz außerhalb der EU und ohne erkennbare Aufsichtskontinuität.
Für betroffene Marketer und Kleinanleger bedeutet das:
Verträge und Guthaben, die ursprünglich über die myWorld- oder Lyconet-Gesellschaften liefen, können nicht automatisch auf Nachfolgefirmen übergehen.
Die Liquidation in London unterbricht die Anspruchskette aus juristischer Sicht handelt es sich um eigenständige Unternehmen ohne Schuldübernahme.
Fazit: Ein internationales System bricht schrittweise zusammen
Mit der Zwangsliquidation der myWorld International Limited verliert das myWorld-/Lyconet-Konstrukt einen seiner wichtigsten Auslandszweige.
Die gleichzeitigen Verfahren in Österreich, Spanien, Polen und Ungarn zeigen, dass die wirtschaftliche Substanz der Holdingstruktur weitgehend aufgebraucht ist.
Was bleibt, ist das Bild einer Unternehmensgruppe, die jahrelang auf Expansion und Umbenennung setzte und nun, Stück für Stück, in europäischen Insolvenzregistern verschwindet.
Hinweis:
Diese Veröffentlichung stellt eine journalistische Analyse und rechtliche Erstbewertung dar. Sie ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Betroffene sollten sämtliche Nachweise (Überweisungen, Chatverläufe, Präsentationen, Vertragsunterlagen) sichern und sich zeitnah rechtlich beraten lassen – insbesondere, wenn Einzahlungen kreditfinanziert wurden oder kein vollständiger Dokumentennachweis vorliegt.
Quellen / Stand:
- Companies House (UK), Company No. 10776184, abgerufen am 6. November 2025
- Insolvency Act 1986 (UK), §§ 231–244
- FinStat / Polish KRS / Hungarian Company Information System, Abruf 2025
- myWorld International AG, Konkursakt Wien, Beschluss 13. 08. 2025
- Ermittlungsunterlagen „Operación Peldaño“, Spanien, Stand Mai 2025
- BEKM Europe-Files, 2024 – 2025




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