Geschäftsführerhaftung wird konkret: Südafrika könnte letzter Vermögensanker der myWorld-Gruppe sein
Geschäftsführerhaftung wird konkret: Südafrika könnte letzter Vermögensanker der myWorld-Gruppe sein
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Die Insolvenz rund um die myWorld-/Lyconet-Gruppe erreicht eine neue Qualität.
Der aktuelle Bericht zur Prüfungstagsatzung vom 5. Mai 2026 liest sich nicht mehr wie die bloße Abwicklung eines gescheiterten Cashback- und Empfehlungsmarketingsystems. Vielmehr entsteht das Bild einer juristischen und forensischen Aufarbeitung eines internationalen Konzerngeflechts mit potenziell problematischen Geldflüssen, konzerninternen Finanzierungen und möglichen Pflichtverletzungen.
Was lange als „wirtschaftliches Scheitern“ dargestellt wurde, entwickelt sich nun sichtbar zu einer Untersuchung möglicher haftungs- und insolvenzrechtlicher Problemfelder innerhalb der internationalen Struktur.
Die Insolvenzverwaltung schaltet erkennbar in den forensischen Modus.
Besonders brisant: Gemeinsam mit der Masseverwalterin der myWorld International AG wurde inzwischen die KPMG mit einer umfassenden Analyse der Daten- und Zahlungsströme beauftragt.
Untersucht werden laut Bericht ausdrücklich:
- anfechtungsrelevante Zahlungsflüsse,
- mögliche Haftungsansprüche,
- der Zeitpunkt der materiellen Insolvenz,
- sowie problematische Jahresabschlüsse.
Damit dokumentiert der Bericht erstmals schwarz auf weiß, dass die wirtschaftlichen Vorgänge innerhalb der myWorld-/Lyconet-Struktur offenbar nicht mehr als gewöhnliche Unternehmensinsolvenz betrachtet werden.
Geschäftsführerhaftung wird konkret vorbereitet
Besonders bemerkenswert ist die neue Schärfe bei möglichen Haftungsansprüchen gegen Verantwortliche.
Die Insolvenzverwaltung erklärt ungewöhnlich direkt:

„Sehr konkret sind die Vorbereitungen im Hinblick auf die Geschäftsführerhaftung. Hier bereiten wir bereits einen Klagsentwurf vor.“
Auch die juristische Stoßrichtung wird bereits klar benannt:
Es geht um den Verdacht einer „pflichtwidrigen Finanzierung einer nahestehenden Gesellschaft“ nach § 25 GmbHG iVm §§ 82 ff GmbHG.
Damit verschiebt sich der Fokus der gesamten Causa massiv.
Nicht mehr nur:
- eine gescheiterte Marketing- und Cashback-Gruppe,
sondern potenziell:
- konzerninterne Vermögensverschiebungen,
- verbotene Einlagenrückgewähr,
- mögliche Gläubigerschädigung,
- sowie persönliche Haftungsfragen von Verantwortlichen.
Genau darin liegt der eigentliche Wendepunkt dieses Berichts.
Forderungschaos offenbart Strukturproblem der gesamten Gruppe
Besonders aufschlussreich ist auch eine Passage zur Forderungsprüfung.
Die Insolvenzverwaltung beschreibt offen, dass zahlreiche Gläubiger offenbar selbst nicht mehr nachvollziehen können, welche Gesellschaft innerhalb des Konzerns überhaupt ihr tatsächlicher Vertragspartner war:

„Die Gläubiger werfen undifferenziert alle Gesellschaften der myWorld-Gruppe in einen Topf.“
Weiter heißt es: Viele Forderungen beträfen in Wahrheit andere Ländergesellschaften oder überhaupt andere Konzerneinheiten.
Genau diese Passage ist hochrelevant.
Sie illustriert erstmals offiziell das strukturelle Kernproblem des gesamten Konzerns — ein internationales Firmengeflecht, dessen tatsächliche Verantwortlichkeiten selbst im Insolvenzverfahren nur noch schwer trennbar erscheinen.
Südafrika könnte zum letzten Vermögensanker werden
Während große Teile der Gruppe wirtschaftlich bereits kollabiert erscheinen, richtet sich der Blick der Insolvenzverwaltung nun auffällig auf Südafrika.


Laut Bericht könnte die Gesellschaft „Lyconet South Africa (PTY) LTD“ noch über Vermögenswerte im sechsstelligen Bereich verfügen.
Die Insolvenzverwaltung führt bereits:
- internationale Korrespondenz,
- Abstimmungen mit Gläubigervertretern,
- sowie Vorbereitungen weiterer Schritte.
Bemerkenswert ist dabei: Südafrika könnte ausgerechnet jener Standort sein, an dem sich überhaupt noch substanzielle Vermögenswerte realisieren lassen.
Der eigentliche Befund des Berichts
Der vierte Bericht dokumentiert letztlich drei zentrale Entwicklungen.
1. Die operative Unternehmensstruktur ist beendet
Die Gruppe existiert wirtschaftlich praktisch nicht mehr.
2. Die wirtschaftliche Substanz ist weitgehend verschwunden
Millionenforderungen stehen minimalen verwertbaren Massen gegenüber.
3. Die juristische Aufarbeitung beginnt erst jetzt
Und genau hier wird es für die gesamte Causa erst wirklich brisant:
- KPMG-Forensik,
- Zahlungsstromanalysen,
- Haftungsprüfungen,
- konzerninterne Finanzierungen,
- mögliche Anfechtungsansprüche,
- und die Frage, wann die materielle Insolvenz tatsächlich eingetreten ist.
Für den 31. Juli 2026 ist die nächste Prüfungstagsatzung angesetzt.
Die Insolvenzverwaltung arbeitet sich damit Schritt für Schritt von der bloßen Abwicklung hin zur möglichen Rekonstruktion eines internationalen Finanz- und Gesellschaftsgeflechts vor.
Und genau das macht diesen Bericht zum bislang politisch, wirtschaftlich und juristisch brisantesten Dokument der gesamten myWorld-Insolvenz.
Hinweis
Dieser Artikel stellt eine journalistische Analyse auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen und Insolvenzunterlagen dar. Sämtliche genannten Personen gelten bis zu einer rechtskräftigen gerichtlichen Entscheidung als unschuldig. Der Artikel trennt nach bestem Wissen zwischen dokumentierten Tatsachen, Zitaten aus Insolvenzberichten und journalistischer Einordnung.
Quellen: 4. Bericht GZ: 27 S 130/25g












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