VOO, Vision.One & NOMO: Neue Versprechen trotz Insolvenz
Während die Insolvenzverfahren der beiden VOO-Gesellschaften in Österreich ohne erkennbare Fortschritte laufen, präsentiert die Vision.One-Genossenschaft in Telegram-Gruppen plötzlich eine Welle neuer „Updates“ und Zukunftsankündigungen. Unsere Recherchen zeigen jedoch: Viele der Probleme bleiben unbenannt, die Versprechen wiederholen sich – und erneut sollen Mitglieder über Gebühren und Aktivitäten das System finanzieren, obwohl zentrale Projekte seit Monaten stillstehen.
VOO Travel: Ein Neustart – irgendwann, vielleicht…
In der aktuellen Nachricht heißt es, die „Reorganisation“ von VOO Travel sei weiterhin im Gange. Nach Monaten völliger Funkstille wird nun behauptet, man verhandle mit Anwälten über die „rechtliche Situation der Nutzungsrechte“ – doch konkrete Informationen zu Verantwortlichkeiten, Verlusten oder offenen Forderungen bleiben aus. Bemerkenswert: Die Betreiber geben offen zu, dass eine zeitliche Einschätzung kaum möglich sei, nennen aber dennoch einen Neustart der App im 1. Quartal 2026.
Ein Zieljahr für eine App, deren ursprüngliche Betreiberfirma insolvent ist und deren Technologie laut Insolvenzakten verwertet werden soll, wirkt eher wie ein Versuch, die Community ruhigzustellen. Parallel soll eine „alternative Lösung“ entstehen – ebenfalls ohne Details, ohne Namen, ohne überprüfbare Struktur.
Kupfer-Projekt: Großes Marketing, kaum Verifizierbares
Besonders aggressiv beworben wird weiterhin das sogenannte Copper Project: Nun werden mehrere Ankündigungen gemacht: Ein Token-Listing auf mehreren Börsen, angeblich auch auf BitMart, ein Audit-Bericht der Wirtschaftsprüfungskanzlei Deloitte über „Tempestats Copper Inc.“, 40 Mio. USD Kupfer zur „Absicherung der Liquidität“ und die Auszahlungen sollen mit dem Listing beginnen.
Doch wie üblich fehlen entscheidende Informationen:
Wer ist Tempestats Copper Inc.? In welchem Land ist die Firma registriert? Welche Deloitte-Niederlassung soll ein Audit erstellt haben? Welche Tokenomics gelten? Wo liegen die Bestände?
In der Vergangenheit wurden vergleichbare Aussagen bereits genutzt, um Seriosität zu suggerieren – ohne dass jemals unabhängige Belege vorgelegt wurden. Die aktuelle Kommunikation folgt exakt demselben Muster.
NOMO Eco-System: Das große digitale Versprechen
Parallel veröffentlichte Vision.One eine neue Präsentation mit dem Titel „NOMO Ecosystem“. Darin wird ein riesiges digitales System beschrieben, das angeblich bereits besteht und mehr als Banking, Trading und Web3 vereinen soll. Das Dokument arbeitet mit großen Zahlen und vagen Behauptungen: 1 Million registrierte Nutzer, 350 Mio. Euro Transaktionsvolumen, eigene Blockchain, eigene KYC-Infrastruktur sowie mehrere Live-Produkte…

Und wie so oft: Konkrete Belege fehlen. In der Vergangenheit wurden ähnliche Zahlen von VOO/AVINOC/Safir genannt – die sich später als nicht überprüfbar oder übertrieben herausstellten. Die Präsentation konzentriert sich weniger auf reale Funktionen als auf Visionen, Narrative und das Versprechen, man sei Teil eines „globalen Gamechangers“.
Besonders wichtig:
Das NOMO-Ökosystem wird als zentrale Voraussetzung für alle früheren Projekte dargestellt – inklusive VOO Travel, VOO Shop und Copper.ONE. Damit werden alte Fehlschläge im Nachhinein zur Phase eines größeren Plans umgedeutet.
NOMO Pay: Ein IBAN-Konto für jedes Mitglied – wirklich?
Ein Kernversprechen ist der baldige Start von NOMO Pay: Jedes Vision.One-Mitglied soll automatisch ein persönliches FIAT-IBAN-Konto erhalten – ohne Antrag, ohne Prüfung, einfach durch die Mitgliedschaft.
Wie das rechtlich möglich sein soll, bleibt offen. Kein regulierter Zahlungsanbieter in der EU darf IBAN-Konten ohne KYC/Compliance eröffnen. Aussagen über ein „GB-IBAN“ deuten darauf hin, dass wieder mit britischen EMI-Lizenzen geworben wird – einer Struktur, die in der Vergangenheit bereits mehrfach missbraucht wurde.
Die Präsentation bleibt jede konkrete Angabe schuldig: Keine Informationen über Bankpartner, keine Lizenznummern, keine regulatorische Instanz, keine Transparenz über Betreiberunternehmen…
Vision.One: Die Community als Geldquelle & undurchsichtige Zahlungswege mit dem „VouGee“-Wirrwarr
Der kritischste Teil der Mitteilung betrifft die Finanzierung. Die Betreiber betonen, dass jedes Mitglied wichtig sei und dass die Projekte „nur funktionieren, wenn alle gemeinsam daran glauben und unterstützen“. Wörtlich heißt es: „Wir bauen gemeinsam ein Haus und das Dach ist noch nicht ganz fertig.“ Die jährliche Mitgliedschaftsgebühr – 100 Euro pro Person – wird über Stripe eingezogen, jedoch nicht von der Genossenschaft selbst, sondern über die „VouGee Gesellschaft“.
Die Betreiber erklären, das Geld fließe „der Genossenschaft entsprechend zu“ – ein Ausdruck, der gleichzeitig alles und nichts bedeuten kann und keinerlei Prüfung zulässt.
Besonders verwirrend ist die Rolle der erwähnten „VouGee Gesellschaft“, über die laut Vision.One die jährlichen Mitgliedsbeiträge per Stripe eingezogen werden sollen. In der Kommunikation wird weder eine Firmenadresse noch eine Registernummer genannt. Stattdessen bleibt offen, welche konkrete VouGee-Einheit tatsächlich hinter den Zahlungsvorgängen steht.
Tatsächlich existieren mehrere Erscheinungsformen des Namens: eine österreichische VouGee GmbH, über die der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) ein Insolvenzverfahren veröffentlicht hat – und daneben
die Website vougee.com, die weiterhin aktiv ist, jedoch ein anderes Impressum aufweist und nicht zwingend mit der insolventen Gesellschaft identisch sein muss.
Für Mitglieder bedeutet das: Sie zahlen Beiträge an eine Organisation, deren Identität nicht eindeutig nachvollziehbar ist.
Solche Unklarheiten über Zahlungsempfänger, Firmenstruktur und Verantwortlichkeiten sind in der Finanzbranche höchst ungewöhnlich – und ein weiteres Anzeichen dafür, wie wenig Transparenz die Betreiber über grundlegende Abläufe ihres eigenen Systems bieten.

Fazit: Eine vertraute Mischung aus Hoffnung, Verschleierung und Rebranding
Die jüngste Kommunikationswelle zeigt deutlich, dass Vision.One und die Personen hinter VOO/AVINOC versuchen, die Community trotz massiver rechtlicher und finanzieller Probleme weiter zusammenzuhalten – und erneut zur Kasse zu bitten.
Eine klare Antwort auf die offenen Fragen bleibt währenddessen aus:
Was passiert mit den Geldern, die in AVINOC-Token, VOO Travel oder Copper.One geflossen sind?
Wer trägt die Verantwortung für die Pleite der österreichischen VOO-Firmen?
Wo liegen die Vermögenswerte, die über Dubai, Zug und Hongkong verschoben wurden?
Warum werden neue Zahlungsmodule und Ökosysteme angekündigt, während alte nicht funktionieren?
Stattdessen wird eine neue Vision präsentiert, die nach außen modern, digital und technisch wirkt – und intern vor allem eines ist: ein neues Versprechen, das die alten Probleme verdeckt, aber nicht löst.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt eine journalistische Analyse dar. Er basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen (Stand 18. November 2025). Es handelt sich nicht um eine rechtliche Bewertung oder Finanzberatung. Alle Einschätzungen sind nach bestem Wissen recherchiert und als Meinung im Sinne von Art. 10 EMRK / Art. 5 GG gekennzeichnet. Gegendarstellungen werden gemäß § 56 RStV berücksichtigt.
Quellen: Chat-Gruppe .One, leadersnet.at, wirtschaft.at











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