Vom Traumverkäufer zum Wirtschaftsarchitekten? – Die Vergangenheit lässt sich nicht umbenennen
Die aktuelle Selbstdarstellung von Hubert Freidl als „Wirtschaftsarchitekt“ und strategischer Berater wirkt vor dem Hintergrund der vergangenen 20 Jahre mehr als irritierend. Vor allem dann, wenn man berücksichtigt, dass über seine Systeme Lyoness, Lyconet und später myWorld von hunderttausenden Marketern Beträge in der Größenordnung von vielen hundert Millionen Euro generiert wurden, ohne dass bis heute ein transparenter und nachvollziehbarer Nachweis über die tatsächliche Verwendung dieser Gelder vorliegt.
Weder gegenüber Insolvenzverwaltern noch gegenüber Behörden, Staatsanwaltschaften oder den betroffenen Marketern selbst wurde diese Aufarbeitung bislang in der gebotenen Klarheit geliefert. Umso auffälliger ist es, dass auf den heutigen Plattformen kein Wort mehr über jene Geschäftsmodelle verloren wird, die einst als revolutionär und alternativlos präsentiert wurden.
Stattdessen entsteht ein neues Narrativ: jenes des visionären Unternehmers, der „alles gegeben“ habe und nun beratend tätig sei. Was dabei konsequent ausgeblendet wird, ist die Struktur des damaligen Modells.

Auf der Website Salters (salters.com) wird Hubert Freidl als strategischer Berater und Wirtschaftsarchitekt präsentiert. Die dort beworbene internationale Erfahrung stammt erkennbar aus dem Lyoness-, Lyconet- und myWorld-Komplex. Umso bemerkenswerter ist, dass diese Namen kaum erwähnt werden, während deren Aufarbeitung bis heute andauert.
Verkauft wurde der Traum vom Unternehmertum. Man sprach von finanzieller Freiheit, davon, sein eigener Chef zu sein. Viele glaubten, sie würden sich ein echtes Business aufbauen.
Die Realität sah für zahlreiche Betroffene jedoch anders aus.
Du hattest kein eigenes Geschäft. Du warst der wichtigste Kunde eines Systems, das darauf ausgelegt war, dir Geld abzunehmen. Du zahltest für den Einstieg, für Produkte, für Schulungen, für Events und dafür, deinen Status aufrechtzuerhalten.
Und gleichzeitig wurde dir erklärt, dass du erfolgreich wirst, wenn du die „Chance“ weitergibst.
Du solltest kein Produkt verkaufen, sondern einen Traum. Entscheidend war nicht der Verkauf, sondern die Rekrutierung. Freunde, Familie und das persönliche Umfeld wurden zur Downline, selbst enge Beziehungen verwandelten sich in potenzielle Einnahmequellen.
Das gesamte Modell basierte auf der Erzählung, dass jeder gewinnen könne. Doch das war mathematisch unmöglich. Geld entstand nicht aus dem Nichts. Das Geld, das wenige an der Spitze verdienten, stammte letztlich von jenen, die an der Basis einzahlten, konsumierten und hofften. Während viele auf den versprochenen Erfolg warteten, zahlten sie weiter und finanzierten damit das System über sich.
Du investiertest nicht in echte Vermögenswerte. Du investiertest in ein Paket und in die Hoffnung, dass sich die nächste Person unter dir anmeldete.

Und heute?
Heute wird ein neues Narrativ erzählt. Ohne umfassende Aufarbeitung. Ohne echte Transparenz. Ohne klare Antworten darauf, was mit den Geldern passiert ist, die über Jahre hinweg eingesammelt wurden.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt:
Bevor man sich neu erfindet und als Berater oder „Architekt“ wirtschaftlicher Modelle inszeniert, wäre es angebracht, zuerst die eigene Vergangenheit sauber aufzuarbeiten. Verantwortung zu übernehmen. Transparenz zu schaffen. Und zu dem zu stehen, was man selbst einst als sein „Baby“ bezeichnet hat – Lyoness, Lyconet und myWorld.
Neue Geschichten zu erzählen, ist einfach.
Sich den offenen Fragen der Vergangenheit zu stellen, ist der eigentliche Maßstab.
Denn eines bleibt:
Marketer waren keine Unternehmer. Sie waren das Produkt.
Hinweis:
Dieser Beitrag ist ein Kommentar. Er enthält Meinungen, Bewertungen und Schlussfolgerungen des Autors auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen und eigener Recherchen. Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung. Laufende Ermittlungs- und Insolvenzverfahren sind nicht rechtskräftig abgeschlossen.













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