Rebranding mit „Recovery” – Wie Safir/Zeniq/XPRO-Opfer doppelt zahlen sollen
Recovery, Connect & Co.: Über das endlose Weiterdrehen einer Multi-Level-Marketing-Maschine, die sich bei jedem Kollaps neu erfindet
Recovery: Ein neuer Versuch, altes Geld zu retten
In einem Telegram-Kanal namens „Support old Safir Community” reagierte jüngst ein Mitglied sehr vielsagend auf eines der unzähligen Werbevideos der Initiatoren:
„Das bedeutet also, dass jemand, der viele Hubs verschiedener Projekte bei Safir (Zeniq, TDrone, Tupan, Sidi, Nomo usw.) gekauft hat – sagen wir insgesamt für 10.000 EUR –, nun weitere 10.000 EUR (im USDC-Äquivalent) in den Liquiditätspool reinvestieren muss? Habe ich das richtig verstanden?“
Die Reaktion der Kanalbetreiber war bezeichnend: keine klare Antwort, kein offizielles Dokument – nur vage Verweise auf andere Gruppen im Kanal und angeblich bereits geteilte Informationen. Was hier sichtbar wird, ist nicht einfach ein Kommunikationsproblem. Es ist das Grundprinzip eines Systems, das sich immer wieder neu bemalt, aber nie wirklich verändert.
Das Grundmuster: Bezahle zweimal, um nichts zu verlieren
Was dieser Nachrichtenverlauf offenlegt, ist die nächste Eskalationsstufe einer bekannten MLM-Masche: Investoren sollen ihr bereits verlorenes Geld „wiederherstellen“ – indem sie erneut investieren.
Das nennt sich intern „recovery staking“ oder „liquidity pool recovery“ und wird in den Chats als „einzigartige Chance“ verkauft, frühere Safir-Zeniq-Hub-Besitzer „zurückzuholen“. Doch das vermeintliche „Wiederherstellen“ ist in Wahrheit ein Re-Investment in ein neues, kaum transparentes Projekt – diesmal auf der Plattform connect.ac, dem neuesten Rebrand nach Safir/Zeniq, Xera.Pro und XPRO.
Wer also 10.000 € in die berüchtigten Zeniq-Hubs gesteckt hat (Hardware, die angeblich Token „minten“ sollte, deren Marktwert aber längst implodiert ist), soll nun dieselbe Summe noch einmal zahlen, um „seine alten Assets zurückzuholen“.
Das ist, als würde ein betrügerischer Autohändler sagen: Dein Motor ist kaputt, aber wenn du noch einmal den vollen Preis für das gleiche Auto in Neu zahlst, bekommst du das alte irgendwann ersetzt.
Von Safir/Zeniq über Xera.Pro zu XPRO zu connect.ac – das endlose Rebranding
Der Telegram-Chat zeigt, wie verwirrend dieses Netz aus Firmen und Rebrands inzwischen geworden ist. Die einfache Frage „Wer läuft hier eigentlich?“ lässt sich kaum mehr beantworten, denn:
Safir und Zeniq waren die Ursprungsplattformen, vermarktet als Blockchain-Innovationen aus Dubai. Nach regulatorischem Druck und zunehmender Kritik wurden die Marken in Xera.Pro und später XPRO Network überführt. Unter XPRO entstand das Partnernetzwerk aus Homnifi, Shiiro, B2Pay und anderen „Education“- oder „Finance“-Anbietern. Seit Ende 2025 nun: die Ankündigung der Schließung von XPRO – und die neue Domain connect.ac, mit fast identischem Team und Marketingnarrativ.
Diese nahtlose Kette, wie wir sie in diversen Beiträgen hier bereits dargestellt haben, ist kein Zufall. Jedes Mal, wenn die alte Struktur in Verruf gerät oder Investoren das Vertrauen verlieren, wird ein neuer Name präsentiert. Die alten Schulden werden rhetorisch „geschlossen“, während dieselben Gesichter eine neue „Chance“ bewerben.
Die Psychologie hinter dem System
Was diese MLM-Strukturen so effektiv macht, ist weniger Technik als Psychologie:
- Hoffnung auf Wiederherstellung – Niemand möchte den Totalverlust eingestehen. Das „Recovery“-Narrativ bietet emotionalen Trost: Vielleicht kommt ja doch noch etwas zurück.
- Gruppendruck und Loyalität – In den Telegram-Chats und Zoom-Webinaren herrscht fast religiöse Rhetorik. Wer zweifelt, gilt schnell als „negativ“ oder „nicht visionär“.
- Komplexität als Taktik – Tokens, Hubs, Staking, Layer-2-Bridge, NFT-Backed Assets – Begriffe, die Vertrauen suggerieren, aber kaum jemand versteht. So wird Kritik technisch übertüncht.
Recovery: Eine Abwärtsspirale & Absurdität in Zahlen
Wenn die Angaben aus der eingangs zitierten Chatnachricht stimmen, bedeutet das: Ein Safir/Zeniq-Investor soll mindestens denselben Betrag noch einmal im Rahmen von „Recovery” zahlen, um eine Chance auf „Wiederherstellung“ zu erhalten – ohne Garantie, ohne Nachweis, wer das Geld verwaltet, und ohne klaren rechtlichen Rahmen.
Die Frage nach einer „detaillierten Dokumentation“ blieb unbeantwortet. Stattdessen verweisen die Admins auf Marketingfolien und Chat-Gruppen, in denen von „Community Support“, „Dezentralität“ und „neuer Tokenomics“ die Rede ist – alles Schlagworte, die über die fehlende Substanz hinwegtäuschen.
In Wirklichkeit handelt es sich bei „Recovery” um ein selbstreferenzielles Finanzökosystem, das nur durch ständige Zuführung neuen Geldes bestehen kann. Alte Investoren werden mit neuen Versprechen hingehalten, neue Investoren durch FOMO (Fear of Missing Out) rekrutiert. Wenn das Vertrauen kippt, wird der Name gewechselt – und der Zyklus beginnt von vorn. Das Rebranding ersetzt den Exit.
Fazit: Das teuerste „Recovery“-Programm der Welt
Was in den alten Safir/Zeniq und den neuen connect.ac-Gruppen als „Recovery“ verkauft wird, ist in Wahrheit ein zweiter Kassensturz auf Kosten derselben Menschen, die bereits in den vorherigen Projekten Geld verloren haben. Das System hat kein Interesse an Transparenz, nur an Kontinuität: Immer weiter, immer neue Namen, immer dieselben Gesichter.
Der verzweifelte Nutzer im Chat, der nach einem „Dokument“ fragte, fasst unfreiwillig die ganze Tragödie zusammen:
„Ich versuche nur, das alles zu verstehen und aufzuholen – aber es ist unmöglich.“
Er hat recht. Es soll gar nicht verständlich sein. Denn Verwirrung ist Teil des Geschäftsmodells.
Aufruf an Geschädigte:
Sprechen Sie mit uns!
Hinweis: Dieser Beitrag stellt eine journalistische Analyse dar. Er enthält sowohl überprüfbare Tatsachenangaben (mit Quellen) als auch Wertungen im Sinne von Meinungsäußerungen gemäß Art. 5 GG / Art. 10 EMRK. Alle Einschätzungen beruhen auf öffentlich zugänglichen Informationen und eigenen Recherchen (Stand: 29.09.2025). Betroffene Unternehmen haben die Möglichkeit zur Stellungnahme und Gegendarstellung.
Quellen: Chat-Gruppen Safir/Zenic/Connect













Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!