Das nächste MLM-Märchen? TAG Markets als Rettungsring für eCredits-Geschädigte
Wir berichteten bereits, wie ehemalige Lyoness-/Lyconet-myWorld-Vertriebler wie Werner Kaiser und Marina Graf TAGMarkets als angebliche Rettungslösung für eCredits-Geschädigte bewerben. Nun werfen neue Vertriebsaktivitäten zusätzliche Fragen auf: Die Rede ist von „Company Codes“, „Burnwallets“ und einer angeblich revolutionären Möglichkeit, wertlose eCredits plötzlich in ein Forex-Trading-System zu integrieren.
Je mehr interne Informationen aus dem Umfeld von TAGMarkets auftauchen, desto deutlicher zeigt sich ein Muster: ehemalige Lyoness-/Lyconet-Promoter versuchen offenbar gezielt, eCredits-Geschädigte mit einer Mischung aus Forex-Buzzwords, Hebelversprechen und Community-Marketing in ein neues System zu führen.
Intransparente „Codes“ und offene Fragen rund um die eCredits-Integration
Interne Kommunikation aus dem Umfeld von TAG Markets zeigt, wie Interessenten offenbar an das System herangeführt werden. Dabei ist unter anderem von speziellen Wallet-Codes, alternativen „Company“-Zugängen sowie der Möglichkeit die Rede, auch ohne direkten Zugriff auf das ursprüngliche eCredits-Wallet teilnehmen zu können.
Besonders auffällig ist, dass in diesem Zusammenhang außerdem sogenannte „Burnwallets“ erwähnt werden. In der Kryptoszene bezeichnet ein Burn Wallet üblicherweise eine Wallet-Adresse, auf die Tokens dauerhaft übertragen und damit faktisch aus dem Umlauf entfernt werden.

Die Kommunikation wirft mehrere Fragen auf: Welche Funktion haben diese Codes konkret? Wer verwaltet oder kontrolliert sie? Warum benötigt ein angeblich transparentes Trading- und Copytrading-Modell überhaupt solche Konstruktionen? Und weshalb scheint der Zugang teilweise nicht über reguläre Plattformprozesse zu erfolgen?
Zudem entsteht der Eindruck, dass die ursprüngliche Anzahl der gehaltenen eCredits dabei offenbar keine entscheidende Rolle mehr spielt. Wie genau die technische und wirtschaftliche Verbindung zwischen nahezu wertlosen eCredits und den sogenannten „Amplified Accounts“ funktionieren soll, bleibt weiterhin unklar.
Die große Erzählung: Aus wertlosen Tokens soll plötzlich Trading-Kapital werden
Warum ein solches Konzept nun plötzlich Teil eines Forex-/Social-Trading-Modells sein soll, bleibt vollkommen unklar. Inzwischen wird das Konzept nicht nur von Marina Graf und Werner Kaiser selbst beworben. Auch der ehemalige Lyoness-Promoter Markus Käfer tritt mittlerweile öffentlich als Unterstützer und Multiplikator auf.
Das Kernversprechen klingt fast zu schön, um wahr zu sein: eCredits mit faktisch kaum vorhandenem Marktwert sollen plötzlich als Grundlage für „Amplified Accounts“ dienen, die angeblich mit 12x oder sogar 24x Hebel „echte Liquidität“ erzeugen
Oder einfacher formuliert: Aus einem Token, der am Markt praktisch keine relevante Nachfrage mehr besitzt, soll plötzlich Trading-Kapital mit enormer Hebelwirkung entstehen. Und genau hier beginnt das eigentliche Problem.
Kaiser & Co beschreiben das Konzept so, als würde ein Deposit durch sogenanntes „Liquidity Providing“ einfach vervielfacht: 1.000 Dollar werden zu 12.000 Dollar, mit speziellen Vorteilen sogar zu 24.000 Dollar. Das klingt spektakulär – widerspricht aber grundlegenden Prinzipien der Finanzmärkte.
Warum das „Amplifying“-Modell fachlich kaum Sinn ergibt
Im gesamten TAG-Markets-Umfeld wird ständig von: „Amplified Accounts“, „Liquidity Providing“, „24x Kapital“ und „gehebeltem Kapital“ gesprochen. Dabei wird ein entscheidender psychologischer Trick genutzt: Der Hebel wird nur bei den Gewinnen erklärt – nicht bei den Verlusten. Wenn ein Trader 1 % Gewinn macht und dieser mit 24 multipliziert wird, klingt das spektakulär.
Was jedoch kaum erwähnt wird: Verluste wirken ebenfalls gehebelt, Schwankungen vervielfachen sich und das Risiko steigt exponentiell. Ein 24-facher Hebel macht ein System nicht sicherer, sondern riskanter. Genau deshalb regulieren Finanzaufsichtsbehörden wie ESMA, BaFin oder FMA Hebelprodukte für Privatanleger bewusst streng, weil hohe Hebel das Verlustrisiko massiv erhöhen.

Liquidity Providing“ wird hier vermutlich als Buzzword benutzt. Der Begriff klingt professionell, wird aber im präsentierten Zusammenhang äußerst unscharf verwendet. Echte Liquidity Provider stellen Märkten Kauf-/Verkaufsliquidität bereit und arbeiten mit komplexem Hedging. Sie verfügen über regulatorische Zulassungen und tragen ein erhebliches Risiko. Kein seriöser LP behauptet: „Man kann dabei eigentlich kein Geld verlieren.“ Denn genau das ist fachlich falsch.
Die Renditeversprechen sind unrealistisch: Die präsentierten Beispielrechnungen bewegen sich teilweise bei 12 % bis 24 % monatlicher Rendite bei angeblich minimalem Risiko. Das entspräche jährlichen Renditen von mehreren hundert bis über tausend Prozent. Solche Ergebnisse existieren dauerhaft weder im regulierten Forex-Handel noch im institutionellen Asset Management.
Die Kombination aus extrem hohen Renditen, minimalem Risiko, einem Affiliate-Modell, aggressivem Community-Aufbau und Empfehlungsprovisionen ist vielmehr typisch für MLM- und Hochrisiko-Systeme.
eCredits als „Marketing Tool“
Besonders bemerkenswert ist die Rolle von eCredits als Msrketing Tool im neuen Narrativ: Damit wird indirekt bestätigt: Die Tokens scheinen weniger ein Investmentprodukt zu sein als vielmehr eine Art Zugangsschlüssel oder Aktivierungsinstrument innerhalb des Systems.
Das wirft wiederum neue Fragen auf: Welchen realen wirtschaftlichen Wert haben die eCredits dabei überhaupt noch? Warum braucht ein angeblich professionelles Trading-Modell ein solches Token-Konstrukt? Und dient das Ganze am Ende primär dazu, ehemalige eCredits-Investoren erneut in ein neues Netzwerkmodell einzubinden?
Auffällig ist außerdem, wie stark das Empfehlungsmodell betont wird. Immer wieder geht es um Referral Links, Affiliate-Strukturen, Community-Wachstum und Beteiligungen an den Aktivitäten anderer Nutzer
Das deutet darauf hin, dass weniger das Trading selbst im Mittelpunkt steht – sondern vielmehr die Rekrutierung neuer Teilnehmer. Genau dieses Muster war bereits bei zahlreichen früheren MLM-Trading-Systemen wie Lyoness/Lyconet/myWorld oder Safir/Zeniq/Xera/XPro zu beobachten.
Bemerkenswert ist auch, wie stark sich die Kommunikation an klassischen MLM-Mechanismen orientiert: Es werden einfache Erfolgsrechnungen präsentiert, gepaart mit emotionalen Hoffnungserzählungen und technischen Buzzwords. Dazu kommt das Versprechen angeblich exklusiver Zugänge und „Insider“-Vorteile sowie die für MLM typische Community-Rhetorik plus Affiliate-Strukturen.
Die eigentliche Komplexität von Forex-Handel, Risiko, Margin und Hebelwirkung wird dagegen massiv vereinfacht. Gerade dadurch entsteht bei vielen Zuhörern der Eindruck, es handle sich um eine nahezu kalkulierbare Renditemaschine. Doch genau das ist Forex-Trading nicht.
Fazit: Alte Netzwerke, neue Schlagwörter
Die aktuellen Entwicklungen rund um TAG Markets, Copy X und die Integration von eCredits wirken weniger wie eine transparente Finanzinnovation – sondern eher wie der Versuch, ein angeschlagenes Netzwerk mit neuen Begriffen und neuen Hoffnungen erneut zu mobilisieren.
Die verwendeten Schlagwörter „Liquidity Providing“, „Amplified Accounts“, „Social Trading“ sowie „Copy X“ klingen modern und professionell. Doch bei genauer Betrachtung bleiben viele zentrale Fragen unbeantwortet: Wo liegt die Regulierung? Wer trägt das tatsächliche Risiko? Woher stammt die angebliche Zusatzliquidität? Wie sollen nahezu wertlose Tokens plötzlich reale Handelswerte erzeugen?
Bis heute gibt es darauf keine nachvollziehbaren Antworten – dafür aber immer mehr ehemalige MLM-Promoter, die das Modell als nächste große Chance verkaufen.
Hinweis:
Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Nutzerberichten und redaktioneller Analyse. Er dient der Information der Öffentlichkeit und fällt unter die Presse- und Meinungsfreiheit gemäß Art. 5 GG, Art. 10 EMRK und Art. 85 DSGVO. Tatsachen und Bewertungen wurden sorgfältig getrennt und entsprechend gekennzeichnet.
Quellen
- Öffentliche Profile der genannten Projekte (u.a. Youtube, Facebook, Telegram-Kanäle), Stand der Recherche: Mai 2026
- Eigene redaktionelle Auswertung von Webinaren, Marketingmaterialien und Anlegerberichten.













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