Über 4 Milliarden Systemumsatz – und 11,9 Millionen Kapitalerhöhung kurz vor der Insolvenz. Zufall?
Was geschah mit dem Geld der Marketer?
Im Zentrum steht eine Zahl, die jede Diskussion überragt: über vier Milliarden Euro. Keine klassische Bilanzposition, kein ausgewiesener Konzerngewinn, sondern rund 4 Milliarden Euro an Mitgliedseinzahlungen in sogenannte Cloud-Programme und Marketerzahlungen. Beträge, die über Jahre hinweg eingezahlt wurden, systemgebunden, programmorientiert, in der Erwartung späterer Erträge oder Vorteile.
Parallel dazu zeigen interne Zahlen eine weitere Dimension: Allein in den Jahren 2015 bis 2019 wurde über die Einkaufsgemeinschaft ein Umsatz von EUR 3.607.758.807,55 – also rund 3,6 Milliarden Euro – generiert. Im Jahr 2018 wurden Provisionen in Höhe von EUR 152.312.454,21 an Top-Marketer ausgeschüttet. Diese Zahlen stammen aus der Beschuldigtenvernehmung von Hubert Freidl selbst.
Während heute viele dieser damaligen Spitzenverdiener als vermeintliche Opfer auftreten und mit neuen Systemen erneut um das Vertrauen Geschädigter werben, bleibt eine grundlegende wirtschaftliche Frage unbeantwortet: Wenn Milliarden bewegt wurden, Provisionen in dreistelliger Millionenhöhe ausbezahlt wurden und über Jahre hinweg gewaltige Zahlungsströme ins System flossen – wo ist das restliche Geld geblieben?
Die 11,9 Millionen – vor der Insolvenz die wundersame Kapitalerhöhung
Zwischen 31. Mai und 26. Juni 2023 geschieht etwas Bemerkenswertes:
Das Grundkapital der myWorld International AG wird von 100.000 Euro auf 12 Millionen Euro erhöht. Eine Steigerung um 11,9 Millionen Euro – innerhalb weniger Wochen. Der Zeitpunkt ist brisant.
Genau in dieser Phase laufen beim Betreibungsamt Buchs zahlreiche Exekutionsverfahren gegen die Lyoness Europe AG. Hunderte Gläubiger warten auf Befriedigung. Während operative Gesellschaften unter Vollstreckungsdruck stehen, wird eine andere Konzerngesellschaft massiv kapitalisiert. Zufall? Oder konzerninterne Mittelbewegung?
Die zentrale Frage: Woher kamen die 11,9 Millionen und wo sind sie jetzt?
Eine Kapitalerhöhung ist kein abstrakter Formalakt. Sie setzt reale Mittel voraus.
Also stellt sich die Kernfrage: Woher stammten diese 11,9 Millionen Euro?
Wenn im System über Jahre hinweg rund 4 Milliarden Euro an Mitgliedseinzahlungen in sogenannte Cloud-Programme und Marketerzahlungen generiert wurden, liegt eine weitere Frage nahe:
Wurden Teile dieser Systemmittel konzernintern transferiert?
Sollte Kapital aus einer exekutionsbelasteten Gesellschaft in eine andere verschoben worden sein, während Gläubiger leer ausgingen, hätte das erhebliche rechtliche Relevanz.
Strafrechtliche Dimension
Sollte sich ein solcher Mitteltransfer bestätigen, wären mehrere Tatbestände denkbar:
- Gläubigerbenachteiligung
- Betrügerische Krida
- Insolvenzverschleppung
- Verstöße gegen Kapitalerhaltungsvorschriften
- Untreue durch Organwalter
- mögliche anfechtbare Rechtshandlungen
Hinzu kommt eine weitere Konstellation:
Ein strukturelles Muster?
Laut vorliegenden Darstellungen zahlten Marketer bei einer Gesellschaft ein, während Beteiligungen oder Ansprüche auf eine andere Gesellschaft bezogen wurden.
Solche Konstruktionen erschweren die Nachvollziehbarkeit von Vermögensflüssen erheblich.
Wenn:
- operative Gesellschaften wirtschaftlich entleert werden,
- parallel neue Vehikel mit frischem Kapital ausgestattet werden,
- Exekutionen laufen,
- Dividenden ausgesetzt werden,
- und Milliardenbeträge nicht mehr klar zuordenbar sind,
dann entsteht kein gewöhnlicher Insolvenzsachverhalt.
Dann entsteht ein komplexer Aufklärungsbedarf.
Fazit: 4 Milliarden Euro – und viele offene Fragen
Die Dimension bleibt außergewöhnlich:
- Rund 4 Milliarden Euro an Mitgliedseinzahlungen in sogenannte Cloud-Programme und Marketerzahlungen
- 11,9 Millionen Euro Kapitalerhöhung binnen weniger Wochen
- laufende Exekutionen gegen Konzerngesellschaften
- ausgesetzte Dividenden nach Zahlungseinzug
- offene Insolvenzen mit minimaler Masse
Und die zentrale Frage bleibt unbeantwortet:
Was geschah mit dem Geld der Marketer?
Wurde es investiert?
Verwendet?
Konzernintern verschoben?
Zur Kapitalaufstockung eingesetzt?
Oder in andere Strukturen transferiert?
Vier Milliarden Euro verschwinden nicht einfach.
Hinweis:
Dieser Beitrag stellt eine journalistische Analyse dar. Er beruht auf derzeit vorliegenden Informationen, Dokumenten und Hinweisen Dritter. Tatsachenbehauptungen und Bewertungen sind getrennt dargestellt. Betroffene haben jederzeit die Möglichkeit zur Stellungnahme oder Gegendarstellung (Art. 5 GG / Art. 10 EMRK).













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