@media unter neuer Führung: Widersprüche, Vertrauensbrüche und offene Fragen
Anfang Juli 2025 erfuhren zahlreiche Marketer in einem Zoom-Call überraschend, dass das lang angekündigte @media-Projekt bereits im Februar an die ATMEDIA Europe Ltd. verkauft worden war. Eine offizielle Ankündigung oder transparente Kommunikation im Vorfeld hatte es offenbar nicht gegeben. Angesichts der langen Vorgeschichte mit Verzögerungen, technischen Schwierigkeiten und ausbleibenden Ergebnissen hätte ein solcher Eigentümerwechsel aus Sicht vieler Beteiligter klar kommuniziert werden müssen. Dass diese Information erst Monate später und ohne Vorwarnung bekannt gegeben wurde, wirft Fragen zur Kommunikationskultur des Netzwerks auf.
Goran Ljubic – neue Führung, alte Nähe?
Goran Ljubic, der nun als Verantwortlicher für @media auftritt, war selbst lange Zeit als Marketer bei Lyconet aktiv und erreichte dort ein hohes Karrierelevel. Diese berufliche Historie lässt bei manchen Marketer*innen Zweifel daran aufkommen, ob sich die Ausrichtung und Struktur des Projekts tatsächlich grundlegend ändern werden. Ljubic selbst betont, er wolle vieles besser machen – doch die enge Kooperation mit Lyconet weckt bei Teilen der Community Skepsis, ob grundlegende Veränderungen tatsächlich möglich sind.
Offenbarung mit Signalwirkung
Im Call erklärte Ljubic offen, dass er als Marketer selbst Inhalte präsentiert habe, „die es so nicht gegeben hat“. Diese Aussage hat viele aufhorchen lassen. Zahlreiche Marketer*innen hatten bereits zuvor kritisiert, dass das Projekt über lange Zeit mit Konzepten beworben wurde, die sie als unausgereift empfanden. Die Aussage Ljubics verstärkt nun rückblickend den Eindruck, dass Erwartungen geweckt wurden, die auf nicht belastbaren Grundlagen beruhten. Ob dies bewusst oder aus übertriebenem Optimismus geschah, bleibt offen – klar ist jedoch: Das Projekt steht heute offenbar vor einem weitgehenden Neustart.
Marketer im Erklärungsnotstand
Für Marketer, die @media über Jahre hinweg beworben und Kunden gegenüber verteidigt haben, ist diese Entwicklung besonders problematisch. Viele hatten darauf vertraut, dass sich ihre Investitionen und Bemühungen bald auszahlen würden. Nun müssen sie nicht nur Kunden Fragen beantworten, sondern sich auch selbst neu orientieren. Die im Juli 2025 vorgestellte Roadmap sieht eine dreiphasige Entwicklung bis 2030 vor – ein Zeitraum, der für viele überraschend lang erscheint. Frühere Roadmaps hatten deutlich kürzere Zeitspannen suggeriert, was nun zu wachsender Frustration führt.
Neue Prognosen, alte Muster?
Im Zoom-Call wurde ein Umsatzziel von 6 Milliarden Euro bis 2030 präsentiert, von dem angeblich 40 Prozent in die Vergütung für Marketer fließen sollen. Eine Fußnote weist jedoch darauf hin, dass diese Zahlen lediglich auf dem aktuellen Businessplan der ATMEDIA Europe Ltd. und bestehenden Verträgen basieren – eine verbindliche Garantie stellt dies ausdrücklich nicht dar.
Diese Art der Darstellung ist nicht neu: Schon in einer Präsentation aus dem Juni 2024 wurde etwa für Österreich eine Zielzahl von einer Million ausgelieferter Mediaboxen genannt – ebenfalls mit einem einschränkenden Hinweis im Kleingedruckten. Laut Ljubic wurden bisher jedoch lediglich 16.000 Boxen tatsächlich ausgeliefert. Auch die im Juli 2024 kommunizierte Zahl von 50.000 versendeten Geräten liegt weit hinter der ursprünglichen Erwartung zurück. Diese Diskrepanz zwischen ambitionierten Planungen und tatsächlicher Umsetzung führt bei vielen Beteiligten zu deutlicher Verunsicherung.
Unklare Vertragssituation
Besondere Unsicherheit besteht derzeit hinsichtlich der vertraglichen Verantwortlichkeiten: Während die operative Verantwortung bei ATMEDIA Europe Ltd. liegt, werden neue Pakete offenbar weiterhin über Lyconet angeboten. Ob und inwieweit rechtliche Ansprüche gegen Lyconet oder myWorld noch bestehen, ist derzeit unklar. Für Investor*innen und Marketer ist dies eine hochrelevante Frage, die möglichst bald verbindlich geklärt werden sollte.
Fazit
Auch wenn Goran Ljubic betont, künftig transparenter und offener kommunizieren zu wollen, bleibt bei vielen Marketer*innen das Vertrauen erschüttert. Die wiederholten Verschiebungen, die ausbleibenden Ergebnisse und die Unklarheit über Verantwortlichkeiten werfen berechtigte Fragen auf. Eine echte Aufarbeitung der Vergangenheit sowie nachvollziehbare und verbindliche Pläne für die Zukunft erscheinen notwendig, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.
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Quellen:
- Ljubic, G. (2025, July 5). Aussagen im Zoom-Call zur Projektübernahme von @media durch ATMEDIA Europe Ltd. [Transkript]. Interner Zoom-Call, Safir-/Lyconet-Partnermeeting. Mitschnitt liegt der Redaktion vor.
- Lyconet. (2024, June). @media Partner Austria – Businessplan & Zielvorgaben [Präsentationsfolien]. Interner Vertriebskanal. Archivierte Kopie in Besitz der Redaktion.
- ATMEDIA Europe Ltd. (2025). Unternehmensdaten & Eintragung im britischen Handelsregister. Companies House. https://www.gov.uk/government/organisations/companies-house
- Lyconet. (2023–2025). @media-Package-Angebote im Marketer-Backoffice [Online-Plattform]. Zugriff über internes Partnerportal. Dokumentiert von der Redaktion.













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