myWorld und Insolvenzfakten: 4.000 Euro auf dem Konto, 56 Mio. Steuerschuld, 5 Mio. einbezahlte Gutscheine offen!
Die Zahlen sind eindeutig: Eine Überschuldung von bis zu EUR 63,9 Millionen, etwa 4000 € auf dem Geschäftskonto, kaum verwertbares Vermögen und das Wenige, das noch Wert hat, etwa die unternehmenseigene Liegenschaft oder die Marke „myWorld“, ist durch staatliche Pfandrechte blockiert. Die Liegenschaft in der Katastralgemeinde Maierhofen (EZ 174, KG 62232) steht unter Pfand des Finanzamts für Großbetriebe, das bereits am 30. Dezember 2022 einen Sicherstellungsauftrag erwirkt hatte. Zu diesem Zeitpunkt war die Zahlungsunfähigkeit der myWorld International AG bereits offen dokumentiert.
Verschleierte Krise beim Lyconet-Event?
Nur wenige Monate später, 7. Juli 2023 – 8. Juli 2023, trat man beim großen Lyconet-Marketing-Event in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen noch auf wie ein Global Player. Die Verantwortlichen feierten dort öffentlich „Marketer als Aktionäre“, obwohl zu diesem Zeitpunkt längst klar gewesen sein musste, dass die Gesellschaft bilanziell am Ende war. Für Insider ein klarer Hinweis darauf, dass Gläubiger, Konsumenten und wohl auch Partner wissentlich im Unklaren gelassen wurden.
Verwertbares Vermögen? Fast alles verpfändet
Zwar weist die Bilanz noch Vermögenswerte im zweistelligen Millionenbereich aus, doch eine nähere Prüfung offenbart: Nahezu alle werthaltigen Güter sind durch Pfandrechte blockiert.
- Die firmeneigene Liegenschaft in Maierhofen ist mit einem Sicherungspfand des Finanzamts belegt.
- Ein Learjet 75, angemietet von der konzerneigenen Lycoair GmbH, ist defekt, nicht flugfähig und ebenfalls verpfändet.
- Die Marke „myWorld“, einst zentraler Asset des Unternehmens, steht unter staatlicher Pfändung.
Was bleibt? Ein Liquiditätspolster von rund 4.000 Euro auf dem Geschäftskonto, das gerade ausreicht, um die ersten Verfahrenskosten zu decken.
Über 100.000 Gläubiger – darunter viele Kleinanleger
Besonders brisant: myWorld schuldet nach eigenen Angaben rund 5 Millionen Euro aus Gutscheinverkäufen, verteilt auf mehr als 100.000 Gläubiger weltweit. Viele davon sind Kleinstinvestoren und Verbraucher, die in vermeintlich „wertgesicherte Benefits“ investiert haben. Diese Kleingläubiger werden ihre Forderungen zwar anmelden können, realistisch gesehen dürften sie aber nur auf einen Bruchteil hoffen dürfen.
Der wahre Elefant im Raum: Steuerforderung über 56 Millionen Euro
Der größte Risikofaktor jedoch liegt auf steuerrechtlicher Ebene: Eine laufende Betriebsprüfung für die Jahre 2015 bis 2019 hat zu einer strittigen Nachforderung des Finanzamts von rund 56,4 Millionen Euro geführt. Hintergrund ist die konzerninterne Verrechnung von Lizenzgebühren zwischen der myWorld AG und ihren zahlreichen Auslandstöchtern. Die Finanzverwaltung sieht hierin ein Verstoß gegen den Fremdvergleichsgrundsatz, die Gesellschaft widerspricht vehement. Ein Verfahren beim Bundesfinanzgericht ist anhängig.
Doch die Drohung ist real: Sollte das Finanzamt mit seiner Argumentation durchdringen, wäre die Sanierung unmöglich. Bereits jetzt hat die Finanz vorsorglich Pfandrechte auf alle Kernwerte des Unternehmens erwirkt. Ein Learjet wurde bereits zwangsverwertet, der Erlös in Höhe von 7,2 Millionen Euro dient als Sicherheit.
Ein Konzern mit Strukturproblemen
Hinter myWorld steht ein komplexes Firmengeflecht mit mehr als 47 Auslandstöchtern. Viele davon dürften finanziell am Tropf der österreichischen Muttergesellschaft hängen, eine Konstellation, die nicht nur bilanziell problematisch ist, sondern auch insolvenzrechtliche Anfechtungsrisiken birgt. Forderungen innerhalb des Konzerns werden voraussichtlich zum Großteil wertberichtigt, das bedeutet: wirtschaftlich wertlos.
Fazit: Sanierung mit Fragezeichen
Die Faktenlage zeichnet ein düsteres Bild: Ein Unternehmen, dessen Markenwerte unter Pfand stehen, dessen Flugzeugflotte stillsteht, das mehr Gläubiger als Kunden hat und mit dem Finanzamt in einem steuerlichen Millionenkonflikt liegt, ist kaum sanierungsfähig, zumindest nicht unter normalen Bedingungen.
Der Sanierungsplan droht zur Makulatur zu werden und die Insolvenz der myWorld International AG zeigt den tatsächlichen Zustand eines schwer belasteten Geschäftsmodells.
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Quellen:
– KSV1870, Insolvenzregister „myWorld International AG“ (Eröffnung Sanierungsverfahren, 04.08.2025; Aktiva/Passiva, Gläubiger, Dienstnehmer)
– Salzburger Nachrichten, „Lyoness-Nachfolgefirma myWorld International AG insolvent“ (Insolvenzantrag, Mitarbeiterzahl, Insolvenzverwalterin)
– Die Presse, „Lyoness-Nachfolger myWorld International AG insolvent“ (Geschäftsmodell, Investorenstatus, Personalreduzierung)
– Trending Topics / Newsrooms.ai, „Ex‑Lyoness myWorld ist pleite – möglicherweise 56,3 Millionen Euro Steuern offen“ (Überschuldung inkl. Steueransprüchen, Gutscheinschulden)













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