Lyconet-Zoom: Wiederholung statt Revolution?
Erneut lud Lyconet zu einem groß angekündigten Zoom-Call ein. Im Vorfeld war die Rede von einem „wegweisenden Ereignis“, von bahnbrechenden Neuigkeiten und bedeutenden Fortschritten. Die Spannung war entsprechend hoch. Doch wer die Veranstaltung aufmerksam verfolgte, stieß auf Altbekanntes: ambitionierte Versprechen, bekannte Floskeln und wenig Konkretes.
Lyconet stellt sich seit Jahren als eines der „stärksten Business-Modelle“ der Welt dar. Doch aus Sicht vieler kritischer Beobachter bleiben sichtbare und unabhängig überprüfbare Erfolge weitgehend aus. Stattdessen dominieren Durchhalteparolen wie: „Manche Tage sind hart, aber wer weitermacht, wird erfolgreich sein.“ Solche Aussagen können dazu dienen, Marketer emotional an das System zu binden und sie vom Aufgeben abzuhalten. Wer durchhält, zahlt weiter, Rückforderungen werden so verzögert oder vermieden.
Wiederkehrende Muster und bekannte Namen
Im Call vom 24. Juni 2025 wurde erneut das Projekt „Pay and Go“ vorgestellt. Bereits im Sommer 2024 hatte Lyconet angekündigt, dieses europaweit ausrollen zu wollen. Beim Eliteseminar im September 2024 wurde es ebenfalls prominent beworben. Doch eine Umsetzung blieb aus. Nun wurde das Projekt erneut als Innovation präsentiert. Laut Rainer Schuster habe man „gerade mit der Entwicklung begonnen“. Warum frühere Ankündigungen nicht umgesetzt wurden, blieb unerwähnt. Auch lizensierungsrechtliche Probleme, die in der Vergangenheit eine Rolle spielten, fanden keine Erwähnung.
Schuster bezeichnete die Neuerungen dennoch als „Revolution“. Neben „Pay and Go“ wurden auch höheres Cashback, technische Verbesserungen sowie Social-Media-Kampagnen angekündigt. Besonders Letztere wurden als Meilenstein beworben: In Deutschland habe ein Testlauf über 10 Millionen Impressionen, 200.000 Klicks und 16.000 neue Registrierungen erzielt. Unabhängige Bestätigungen für diese Zahlen liegen jedoch nicht vor.
Dass Social Media erst jetzt als zentraler Marketingkanal beworben wird, erstaunt: In vielen Unternehmen gehören solche Kampagnen längst zum Standard. Lyconet inszeniert diese Entwicklung hingegen als strategische Neuausrichtung.
Strategischer Fokus auf Schweden – ein bemerkenswerter Schritt
Laut Angaben im Zoom Call will Lyconet den Marktfokus aktuell auf Österreich und Schweden legen.
Die Entscheidung, ausgerechnet Schweden in den Mittelpunkt zu rücken, überrascht, vor allem mit Blick auf die Unternehmensgeschichte.
Bereits 2014 hatte die schwedische Glücksspielbehörde Ermittlungen gegen Lyoness, das Mutterunternehmen von Lyconet, eingeleitet. Der Verdacht lautete auf den Betrieb eines unerlaubten Pyramidensystems. Zwar wurde das Verfahren später von der Staatsanwaltschaft mangels eindeutig benennbarer Verantwortlicher eingestellt, nicht jedoch, weil die Vorwürfe ausgeräumt wurden. Die Glücksspielbehörde akzeptierte diese Entscheidung nicht und legte Berufung ein. Der Vorgang blieb rechtlich ungeklärt.
Vor diesem Hintergrund erscheint die aktuelle Ausrichtung auf Schweden zumindest erklärungsbedürftig. Ob Lyconet dort heute tatsächlich auf juristisch gesichertem Terrain operiert oder lediglich auf das Verstreichen der Zeit setzt, bleibt offen.
Sprachliche Wiederholungen und standardisierte Erzählmuster
Wie in vielen früheren Veranstaltungen fanden sich auch diesmal zahlreiche bekannte Phrasen: „Jetzt geht’s richtig los“, „Wir bringen unser Geschäft auf ein neues Level“, „Wir schaffen etwas Großartiges“. Teile der Präsentation wirkten wie aus früheren Calls übernommen. Der Eindruck entsteht, dass hier ein festes Narrativ bedient wird, das regelmäßig neu inszeniert wird, ohne sich wesentlich zu verändern.
Am Ende wurde erneut für das nationale Balance-Programm geworben, wieder mit Fokus auf Österreich und Schweden. Die Botschaft: Wer jetzt einsteigt, profitiert. Jeder könne sich „ein großes Stück vom Kuchen“ sichern. Kritiker werten dies als Versuch, neue Marketende für ein System zu gewinnen, das sich im Kern kaum weiterentwickelt hat.
Fazit
Der Zoom Call vom 24. Juni 2025 wirkte weniger wie ein Aufbruch, sondern vielmehr wie ein Blick zurück: Bekannte Projekte wurden erneut aufgelegt, vertraute Formulierungen wiederholt. Für langjährige Beobachter des Unternehmens ein vertrautes Bild. Für neue Teilnehmer hingegen könnten die Versprechen erneut attraktiv klingen. Genau darauf scheint Lyconet zu setzen.
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