„Neue Strafanzeige im Lyoness-Komplex – Promoter Zoran Vitanov in Nordmazedonien im Fokus der Ermittler“
Im internationalen Lyoness-/myWorld-Komplex rückt mit dem nordmazedonischen Promoter Zoran Vitanov nun ein weiterer Akteur des Vertriebsapparats in den Fokus strafrechtlicher Vorwürfe. Nach Medienberichten wurde in Skopje Strafanzeige erstattet; im Raum stehen mutmaßliche Schädigungen tausender Teilnehmer und ein behaupteter Gesamtschaden in dreistelliger Millionenhöhe. Der Fall fügt sich in ein Muster ein, das bereits aus anderen Ländern bekannt ist: Im Zentrum steht die Frage, ob das System wesentlich durch den Aufbau neuer Mitgliederstrukturen und nicht primär durch reale Cashback-Umsätze getragen wurde. Damit geraten zunehmend nicht nur Gesellschaften der Gruppe, sondern auch hochrangige Promoter und Top-Marketer ins Blickfeld, die das Netzwerk über Veranstaltungen, Schulungen und Recruiting ausgebaut haben sollen. Während mehrere myWorld- und Lyconet-Gesellschaften bereits insolvent sind und weltweit Verfahren laufen, zeigt die Anzeige in Nordmazedonien, dass die juristische Aufarbeitung des Systems die oberen Vertriebsebenen längst erreicht hat.

Ein weiterer Baustein im globalen Lyoness-Komplex
Während mehrere Gesellschaften der Lyoness- bzw. myWorld-Gruppe inzwischen insolvent sind und zahlreiche Teilnehmer weltweit versuchen, ihre Verluste gerichtlich geltend zu machen, rückt nun ein weiterer Akteur des internationalen Vertriebsnetzwerks ins Visier von Ermittlern.
In Nordmazedonien wurde nach Medienberichten eine Strafanzeige gegen den Unternehmer und Network-Promoter Zoran Vitanov eingebracht. Die Anzeige bezieht sich auf Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Vertriebssystem von Lyoness bzw. myWorld und die mutmaßliche Schädigung zahlreicher Teilnehmer.
Der Fall wirft erneut Fragen auf, die sich bereits in mehreren BEKM-Recherchen gestellt haben:
Welche Rolle spielten lokale Promoter im globalen Lyoness-Netzwerk – und in welchem Umfang profitierten sie vom Aufbau der Vertriebsstrukturen?
Tausende Betroffene und hohe Schadenssummen
Nach Angaben von Betroffenen und lokalen Medien sollen tausende Bürger aus Nordmazedonien in Programme des Lyoness- bzw. myWorld-Systems investiert haben.
Die geschätzte Schadenssumme wird von einzelnen Beteiligten auf über 100 Millionen Euro beziffert.
Im Zentrum der Anzeige steht die Frage, ob Teilnehmer durch ein Vertriebsmodell angeworben wurden, bei dem Einnahmen nicht primär aus realen Cashback-Programmen entstanden, sondern aus dem Aufbau neuer Mitgliederstrukturen.
Die Staatsanwaltschaft hat sich zu laufenden Verfahren bislang nicht öffentlich geäußert.
Ermittlungen erreichen zunehmend die oberen Vertriebsstrukturen
Aus Sicht vieler Geschädigter wird es ausdrücklich begrüßt, dass sich Ermittlungen zunehmend nicht nur gegen Unternehmen, sondern auch gegen führende Promoter und sogenannte „Top-Marketer“ richten.
Über Jahre hinweg war es gerade diese Gruppe innerhalb der Vertriebsstruktur, die Veranstaltungen organisierte, Präsentationen hielt und neue Teilnehmer für das System gewann, häufig mit dem Versprechen eines zusätzlichen Einkommens oder einer verbesserten Altersvorsorge.
Viele Teilnehmer berichten heute, dass sie sich gerade aufgrund dieser Versprechen entschieden hätten, erhebliche Summen zu investieren.
Der aktuelle Fall ist daher ein weiteres Signal dafür, dass Ermittlungen künftig stärker auch die Verantwortung der oberen Vertriebsebenen in den Blick nehmen.
Zoran Vitanov nicht der erste „Level-8-Promoter“ im Fokus
Innerhalb der Lyoness- bzw. Lyconet-Strukturen existierte über Jahre hinweg ein mehrstufiges Karrieresystem mit sogenannten Level- oder Leadership-Stufen.
Promoter, die hohe Positionen – etwa Level 6 bis Level 8 – erreichten, gehörten zu den sichtbarsten Figuren des Systems. Sie traten häufig bei internationalen Veranstaltungen auf, hielten Schulungen ab und präsentierten das Geschäftsmodell gegenüber neuen Teilnehmern.
Vor diesem Hintergrund erscheint es aus Sicht von Beobachtern wenig überraschend, dass nun auch Vertreter dieser oberen Vertriebsebenen Gegenstand von Anzeigen oder Ermittlungen werden.
Zoran Vitanov dürfte daher nicht der erste hochrangige Promoter sein, der sich mit entsprechenden Vorwürfen konfrontiert sieht.
Die „Selbst-geschädigt“-These im Vertriebssystem
In den vergangenen Jahren haben verschiedene hochrangige Promoter öffentlich erklärt, sie selbst seien ebenfalls Opfer des Systems geworden.
Diese Darstellung – wonach auch Top-Marketer lediglich Teilnehmer gewesen seien – wird jedoch von zahlreichen Geschädigten zunehmend hinterfragt.
Bei näherer Betrachtung stellen sich insbesondere zwei Fragen:
- Welche Einnahmen wurden von führenden Promotern tatsächlich erzielt?
- Welche Rolle spielten sie beim Aufbau der Mitgliederstrukturen?
Kritiker argumentieren, dass gerade Promoter der oberen Stufen durch Provisionen, Bonusprogramme und Netzwerkvergütungen erhebliche Einnahmen erzielt haben könnten.
Ob und in welchem Umfang diese Strukturen rechtlich relevant sind, ist Gegenstand laufender juristischer Auseinandersetzungen.
Ermittlungen und regulatorische Maßnahmen in mehreren Ländern
Der aktuelle Fall in Nordmazedonien reiht sich in eine Reihe internationaler Verfahren ein, die sich mit dem Geschäftsmodell von Lyoness bzw. myWorld beschäftigen.
Unter anderem kam es zu:
- Ermittlungen in Österreich, unter anderem durch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA)
- Regulatorischen Maßnahmen in Norwegen, wo Behörden Teile des Modells als Pyramidensystem einstuften, mittlerweile auch die Polizei eingeschaltet wurde.
- Ermittlungsverfahren in Deutschland
- Verfahren in Italien, bei denen die Wettbewerbsbehörde eine Geldstrafe verhängte
- Untersuchungen in Schweden und Polen wegen möglicher Verstöße gegen Pyramidenspiel-Gesetze
- Steuerstrafverfahren in der Türkei
- Strafverfahren in Spanien, wo es bereits zu Verhaftungen von Vertretern der lokalen Lyoness-Struktur kam.
Parallel dazu laufen in mehreren Ländern zivilrechtliche Verfahren, in denen Teilnehmer versuchen, ihre Investitionen zurückzufordern.
Fazit
Die Strafanzeige gegen Zoran Vitanov zeigt erneut, dass der Lyoness-/myWorld-Komplex noch längst nicht abgeschlossen ist.
Während Insolvenzverfahren und zivilrechtliche Streitigkeiten in mehreren Ländern laufen, geraten nun zunehmend auch führende Figuren des Vertriebssystems in den Fokus von Ermittlungen.
Für viele Geschädigte ist dies ein wichtiger Schritt – insbesondere nachdem jahrelang vor allem die Unternehmen selbst im Mittelpunkt der Kritik standen.
Ob die Anzeige in Nordmazedonien zu formellen Ermittlungen oder gar zu Anklagen führen wird, bleibt abzuwarten.
Fest steht jedoch:
Die juristische Aufarbeitung des internationalen Lyoness-Netzwerks dürfte noch lange nicht beendet sein.
Hinweis:
Dieser Beitrag stellt eine journalistische Analyse auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen dar.
Alle genannten Personen gelten bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig. Der Artikel trennt nach bestem Wissen Tatsachen, Berichte Dritter und journalistische Einordnung.
Quellen:
Libertas.mk
Insolvenzberichte myWorld Austria GmbH und Lyconet Austria GmbH, LG Graz
Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes (3 Ob 189/24a; 6 Ob 79/24z; 5 Ob 192/24g)
AGCM Italien – Wettbewerbsentscheidung zu Lyoness
Norwegian Consumer Authority – Untersuchung zum Pyramidensystem
Eigene Recherche und Dokumentenauswertung
















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