Blocktrade – Intransparente Eigentümerstruktur und fragwürdige IPO-Aussichten
War Sam Tan in seinen Calls ehrlich?
Die Krypto-Plattform Blocktrade S.A. inszenierte sich lange als regulierter, seriöser Anbieter mit europäischem Profil und großen Zukunftsambitionen. Ein Börsengang, angeblich sogar an der Nasdaq wurde in Aussicht gestellt, die Kommunikation betonte Stabilität und Wachstum. Doch die jüngsten Entwicklungen zeichnen ein anderes Bild und liefern Grund genug, dass sich viele Nutzer getäuscht fühlen.
Eigentümerstruktur und Liquidationsstatus
Nach öffentlich einsehbaren Handelsregisterdaten befindet sich nicht die Blocktrade S.A., sondern deren bisherige Haupteigentümerin, die Web3 Investco AG (UID CHE-496.697.757, Sitz Zug, Schweiz), seit dem 22. November 2024 in Liquidation. Der entsprechende Auflösungsbeschluss der Generalversammlung wurde im Schweizer Handelsamtsblatt (SHAB) veröffentlicht; als Liquidatorin ist Anja Monika Frauwallner bestellt. Ein Schuldenruf wurde am 16. Dezember 2024 publiziert.
Die Liquidation der Web3 Investco AG betrifft ausschließlich deren Gesellschaftsvermögen, darunter auch die Beteiligung an der Blocktrade S.A. (Luxemburg, RCS B 248375).
Für Blocktrade selbst ist in den luxemburgischen Registern weder ein Konkurs- noch ein Sanierungsverfahren eingetragen. Auch in den von der luxemburgischen Finanzaufsicht (CSSF) genehmigten Prospektunterlagen vom 21. Februar 2024 und 11. November 2024 wird die Gesellschaft als fortbestehend und handlungsfähig beschrieben.
Juristisch bedeutet dies aber, dass sich die Anteile der Blocktrade S.A. derzeit in der Liquidationsmasse der Web3 Investco AG befinden und an neue Investoren übertragen oder veräußert werden können. Ein Insolvenzverfahren gegen Blocktrade S.A. selbst besteht nicht.
Ein Börsengang – eher Fata Morgana als Realität
Blocktrade erklärte im „Investors FAQ 2024“, man wolle das Unternehmen 2025/2026 an die Börse bringen – Ziel: Nasdaq. Parallel dazu wurde 2024 ein öffentliches Angebot von bis zu 110 Mio. stimmrechtslosen B-Aktien durchgeführt (EU-Growth-Prospekt + CSSF-genehmigter Nachtrag vom 11. 11. 2024).
Doch ein Börsengang wirkt unter den vorliegenden Umständen äußerst unrealistisch, jedenfalls solange die wesentlichen Showstopper nicht bereinigt sind.
Der CSSF-Nachtrag bestätigt lediglich die formale Vollständigkeit, nicht aber die Eignung des Emittenten.
Warum ein IPO derzeit kaum durchgeht:
- Steuer- & Berichtspflichten verletzt (offene Steuerschulden ≈ 280 000 €; fehlende Abschlüsse).
- Regulatorische Unklarheit (Rückgabe der estnischen VASP-Lizenz, unklare slowenische Aufsicht).
- Corporate-Governance-Risiken (mehrfache Eigentümer- und Führungswechsel 2024).
- Going-Concern- & Litigation-Risiken (Steuerlast, mögliche Sanktionen).
- Prospekt ≠ Listing: Ein genehmigter Prospekt ersetzt keine Börsenzulassung.
Fazit
Solange Steuer- und Reportingdefizite, lizenzrechtliche Unschärfen und Governance-Brüche bestehen, ist ein IPO faktisch nicht zulassungsfähig. Ein Börsengang ist unter diesen Umständen nicht mehr als eine PR-Behauptung, eine Fata Morgana für Anleger und Nutzer. Die aktuelle Übernahme der FSR Group rundet das Bild zusätzlich ab.
Hinweis:
Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Beschwerden von Investoren und einer offiziellen Presseanfragen. Es handelt sich um eine journalistische Analyse. Alle Aussagen über rechtliche Risiken oder mögliche Vertragskonstellationen sind als Einschätzungen zu verstehen, nicht als abschließende Rechtsberatung.
Quellen:
Handelsregister Schweiz (Zug), SHAB 22. 11. 2024 – „Web3 Investco AG in Liquidation“ | Moneyhouse.ch, Abruf 11. 10. 2025 | CSSF Prospekte 21. 02. 2024 & 11. 11. 2024 | Estonian e-Business Register Nr. 14901959 | Unternehmensangaben Blocktrade S.A. 2024–2025












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