122 Anzeigen, Millionen-Schaden – jetzt ermittelt auch Slowenien gegen Lyconet/myWorld
Der Druck auf das Firmengeflecht Lyoness / myWorld wächst international.
Ein internes Schreiben des österreichischen Bundeskriminalamts an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) offenbart: Slowenische Behörden ermitteln wegen des Verdachts auf Organisation verbotener Kettenspiele und illegaler Glücksspiele.
2,2 Millionen Euro Schaden – und das ist nur die Spitze?
Nach offiziellen Angaben haben 122 Geschädigte Anzeige erstattet. Der dokumentierte Schaden: exakt 2.269.316,28 Euro.
Doch diese Zahl könnte nur einen Bruchteil der tatsächlichen Dimension abbilden. Slowenische Medien sprechen von bis zu 10.000 Betroffenen.
Mehrere Investoren sollen 50.000, 100.000 oder noch höhere Beträge eingebracht haben – teilweise kreditfinanziert. Einige berichten, sie hätten über zehn Jahre investiert, ohne jemals substanzielle Auszahlungen erhalten zu haben.
Und während Anleger auf Rendite warteten, erzielte die slowenische Niederlassung 2024 noch rund 6 Millionen Euro Umsatz und über 1 Million Euro Gewinn. Kurz darauf: Sperre von vier Bankkonten.
Zufall – oder System?
Prominente Namen im Visier der Ermittler
Nach dem slowenischen Ermittlungsstand stehen mehrere führende Promoter im Fokus:
- Binna Sajovic – Ermittlungen wegen Organisation eines verbotenen Kettenspiels, illegalen Glücksspiels und Täuschung von Anlegern
- Boštjan Meglič – Ermittlungen wegen Organisation eines Pyramidensystems, illegaler glücksspielähnlicher Modelle sowie möglicher Vermögensdelikte
- Boris Lesjak – Ermittlungen wegen Organisation bzw. Mitwirkung an einem verbotenen Kettenspiel und Beteiligung an mutmaßlich illegalen Glücksspielformen
Darüber hinaus werden folgende Personen im Zusammenhang mit dem Firmenkomplex genannt:
- Hubert Freidl – Gründer des Lyoness-/myWorld-Systems
- Peter Gruber
- Marko Sedovnik
- Sharif Omar
- Radovan Vitosevich
- Dominic Hubert Kollman
- Silva Freidl
Die strafrechtliche Bewertung steht noch aus. Doch die Liste der Namen liest sich wie das Who’s Who der Struktur.
Internationale Geldflüsse seit 2008
Laut Ermittlungen flossen Gelder der Geschädigten seit mindestens 2008 auf Konten von mit Lyoness bzw. myWorld verbundenen Gesellschaften.
Von dort aus sollen sie neu verteilt, verschoben oder in Dritt- und Viertunternehmen – teils in Offshore-Ländern – investiert worden sein.
Die zentrale Frage der Ermittler:
Wer erhielt das Geld – und wer wusste wovon?
WKStA unter Zugzwang
Slowenien fordert von Österreich und der Schweiz umfassende Auskünfte:
- Laufen oder liefen Ermittlungen gegen Firmen oder Führungspersonen?
- Wurden steuerrechtliche Verfahren eingeleitet?
- Welche Bankkonten wurden verwendet?
- Wer war verfügungsberechtigt?
- Wie waren Holding, Landesgesellschaften und Vertriebsstrukturen rechtlich verknüpft?
Es geht längst nicht mehr um ein nationales Verfahren.
Internationale Ermittlungen – EUROPOL involviert
Neben Slowenien führen auch Deutschland, Österreich, Polen, Spanien, Norwegen und die Schweiz Ermittlungen. Auch EUROPOL ist involviert.
Das Umfeld wird enger. Die Fragen werden konkreter.
Fazit: Viele Anzeigen – wenig Konsequenzen?
Während in Slowenien 122 Geschädigte Anzeige erstattet haben und internationale Ermittlungen laufen, bleibt eine Frage im Raum:
Warum dauerte es so lange, bis der Fall grenzüberschreitend sichtbar wurde?
Kritiker werfen der österreichischen Ermittlungsführung vor, zu zurückhaltend agiert zu haben. Trotz zahlreicher Hinweise, internationaler Warnsignale und medialer Berichterstattung blieb der große strafrechtliche Zugriff bislang aus.
Im Zentrum der österreichischen Ermittlungen steht Oberstaatsanwalt Harammer. Beobachter fragen sich, ob die Dimension des Systems, mit komplexen internationalen Zahlungsströmen und tausenden potenziell Betroffenen, ausreichend priorisiert wurde.
Gerade bei mutmaßlichen Pyramidensystemen gilt: Zeit ist ein entscheidender Faktor. Je später ermittelt wird, desto schwieriger wird es, Vermögenswerte zu sichern und Geldflüsse nachvollziehbar zu rekonstruieren.
Die Insolvenz ist mittlerweile Realität. Vermögenswerte werden verwertet. Anleger warten.
Ob die strafrechtliche Aufarbeitung Schritt halten kann, wird sich zeigen.
Hinweis:
Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Nutzerberichten und redaktioneller Analyse. Er dient der Information der Öffentlichkeit und fällt unter die Presse- und Meinungsfreiheit gemäß Art. 5 GG, Art. 10 EMRK und Art. 85 DSGVO. Tatsachen und Bewertungen wurden sorgfältig getrennt und entsprechend gekennzeichnet.
Quellen:
- https://eualive.net/10000-slovenians-suffer-heavy-losses-over-austrian-ponzi-scheme-collapse
- Anfrage des Bundesministeriums an die WKStA
- Gesprächsprotokolle














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