EXFUSION, NEO.FX, TAGMarkets: Ein Wanderzirkus-Prinzip?
Bereits in unserem vorangegangenen Beitrag haben wir das System hinter TAGMarkets kritisch beleuchtet – insbesondere vor dem Hintergrund der offiziellen Warnung der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA). Die Behörde rät ausdrücklich vom Abschluss von Geschäften mit TAGMarkets bzw. den verbundenen Gesellschaften ab, da keine entsprechende Konzession für Finanz- oder Wertpapierdienstleistungen in Österreich vorliegt. Trotz Offshore-Lizenz in Mauritius fehlt damit die regulatorische Grundlage innerhalb der EU.
Im folgenden Beitrag werfen wir nun einen erweiterten Blick auf das Netzwerk rund um TAGMarkets – von der BEYOND-Konferenz in Dubai bis zum Zusammenspiel mit NEO.FX, EXFusion und den beteiligten Akteuren.
TAGMarkets, EXFusion & die BEYOND-Konferenz in Dubai: Bekannte Muster
Die BEYOND-Konferenz in Dubai wurde als Meilenstein inszeniert. Unter dem Motto „One System – 3 Incomes“ präsentierte man ein integriertes Modell aus Trading, Exchange und Zahlungsfunktion. Die Bildsprache war klar: Wachstum, Internationalität, Exklusivität.
Dubai dient in solchen Kontexten häufig als Projektionsfläche für Globalität und Erfolg. Doch eine Bühne ersetzt keine Regulierung, und ein Event ersetzt keine institutionelle Aufsicht. Auffällig war, dass die Präsentationen weniger regulatorische Transparenz oder Risikomanagement thematisierten, sondern vor allem Skalierung, Community-Ausbau und Einkommensstrukturen.

Das Zusammenspiel von TAGMarkets, NEO.FX & EXFusion
Im Kern besteht das Modell aus einer arbeitsteiligen Konstruktion:
TAGMarkets fungiert als Offshore-Broker mit Sitz in Mauritius – über die Offshore-Lizenz als Feigenblatt berichteten wir bereits.
NEO.FX wird als automatisierte Trading- bzw. Copytrading-Lösung vermarktet.
EXFusion bildet die Community- und Vertriebsstruktur.
Die operative Kontoführung läuft über TAGMarkets. NEO.FX dient als vermarktete Handelsstrategie innerhalb dieser Infrastruktur. EXFusion wiederum organisiert Bootcamps, Schulungen, Affiliate-Strukturen und Community-Expansion – nach altbekannten Mustern, wie wir sie bereits von Lyoness/Lyconet/MyWorld oder auch Safir/ZENIQ, XERA, XPRO und CONNECT kennen.
Für Außenstehende ist diese Trennung kaum transparent. Wirtschaftlich laufen Einzahlungen und Handelsaktivitäten bei der Brokerstruktur zusammen, während Marketing, Schulung und Rekrutierung außerhalb der eigentlichen Finanzintermediation stattfinden. Das Ergebnis ist ein geschlossenes Ökosystem mit mehreren Andockpunkten – technisch verknüpft, vertrieblich stark integriert, regulatorisch jedoch fragmentiert.
Der Wanderzirkus im Fintech-Scam: Alte Gesichter, neue Logos
Besonders bemerkenswert ist die personelle Kontinuität. Namen wie Michael Baur, Werner Kaiser, Asker Sakinmaz, Benjamin (Benni) Heimberger, Peter Santer oder Roland Weissensteiner tauchen in verschiedenen, teils massiv kritisierten Projekten der vergangenen Jahre auf. Die Produkte ändern sich. Die Narrative bleiben: Community-Aufbau. Frühe Einstiegsphase. Exponentielle Skalierung. Mehrere Einkommensströme.
Juristisch ist eine frühere Beteiligung an umstrittenen Modellen kein Beweis für aktuelles Fehlverhalten. Aus analytischer Sicht jedoch entsteht ein Muster: Projekte verschwinden oder verlieren Dynamik – die Vertriebsakteure wechseln die Plattform. In der Graumarktökonomie sind es häufig nicht Marken, sondern Personen, die die eigentliche Konstante darstellen. Diese personelle Rotation bei gleichbleibender Rhetorik ist für Investoren ein nicht zu unterschätzendes Warnsignal.
OneCoin, DAO1 und jetzt EXFusion: Benjamin (Benni) Heimberger

Nach den uns vorliegenden Informationen trat Benni Heimberger 2016 im Umfeld von OneCoin auf und war als Referent bei entsprechenden Vertriebsveranstaltungen angekündigt. OneCoin wurde später international als betrügerisches Krypto-System eingestuft, gegen zentrale Verantwortliche wurden Strafverfahren geführt. In den darauffolgenden Jahren tauchte Heimberger zudem im Kontext von DAO1 auf, einem weiteren Krypto-basierten Community- bzw. Investmentmodell. Beide Stationen sind Teil seiner öffentlich nachvollziehbaren Vertriebsvita im Bereich hochriskanter Krypto- und Finanzprojekte. Nun fungiert er als Speaker bei EXFusion.
SKAINET Systems: Michael Baur

Michael Baur trat in der Vergangenheit im Umfeld von Skainet Systems als Präsentator bzw. Vertriebsakteur auf. Skainet Systems wurde als technologie- und blockchainorientiertes Projekt mit Netzwerkstruktur beworben, verfügte jedoch über keine erkennbare Regulierung als Finanzdienstleister – wir berichteten über Skainet im Fokus. Seine Beteiligung reiht sich damit in eine Serie von Engagements in marketinggetriebenen, digitalen Finanz-Geschäftsmodellen ein, die stark auf Community- und Vertriebsaufbau setzten.
WeWeGlobal, Xera, XPRO & CONNECT: Peter Santer & Ronald Weissensteiner
Zwei weitere Namen tauchen in unseren Recherchen zu Krypto- und Finanzscams immer wieder auf: Peter Santer und Ronald Weissensteiner sind in verschiedenen Marketing- und Finanzprojekten mehrfach als Sprecher oder Netzwerkpartner aufgetreten. Öffentlich dokumentierte Auftritte reichen von WeWe Global über XERA, XPRO und Connect bis hin zu aktuellen Präsentationen im Umfeld von EXFusion/TAGMarkets. Die wiederkehrende Präsenz derselben Akteure in unterschiedlichen, zum Teil umstrittenen Geschäftsmodellen ist aus investigativer Sicht ein Muster, das bei der Bewertung solcher Angebote beachtet werden sollte.




Die Roadmap von EXFusion: Wachstum als oberste Priorität
Die kürzlich in einem Videocall vorgestellte Roadmap 2026 spricht eine eindeutige Sprache. Zielmarken von 30.000 bis 100.000 Community-Mitgliedern innerhalb eines Jahres. Parallel dazu Umsatz- bzw. Turnover-Ziele im dreistelligen Millionenbereich.

Was auffällt, ist weniger das ambitionierte Wachstum – sondern das, was nicht kommuniziert wird: Keine klaren regulatorischen Meilensteine in EU-Jurisdiktionen, keine Transparenz über Kapitalreserven oder Risikomanagement, keine detaillierten Compliance-Strategien. Stattdessen dominieren Begriffe wie Leadership-Summits, Bootcamps, Academy, Community Chapters. Das Vokabular erinnert stärker an ein skalierendes Affiliate-System als an ein reguliertes Finanzinstitut. Wachstum steht im Vordergrund, nicht institutionelle Verankerung.
Der Zusammenschluss von Bit1 und EndoTech: Technologie oder Narrativ?
Im Rahmen der Präsentationen wurde zudem ein enger Schulterschluss zwischen Bit1 (auch BITONE genannt) und EndoTech kommuniziert. Teilweise war sogar von einer „Fusion“ die Rede. Öffentlich nachvollziehbar ist jedoch keine klassische gesellschaftsrechtliche Verschmelzung. Vielmehr deutet alles auf eine technologische Partnerschaft hin: Bit1 stellt die Exchange-Infrastruktur, EndoTech liefert KI-basierte Trading-Algorithmen.
EndoTech ist ein israelisches FinTech-Unternehmen, das algorithmische Handelsstrategien entwickelt und über API-Anbindungen operieren lässt. Es agiert nicht als Broker oder Verwahrer von Kundengeldern, sondern als Technologieanbieter.
Unser Fazit: Komplexität ersetzt keine Regulierung
Was sich aus Konferenz, Roadmap, Personenstruktur und Technologiepartnerschaften ergibt, ist kein klassischer Broker, keine reine Exchange und kein isoliertes Trading-Tool. Es ist ein integriertes Vertriebsökosystem mit Finanzanbindung. Die Prioritäten sind klar erkennbar: Community-Skalierung, verteilte Einkommensströme, internationale Events und aggressives Wachstum. Was fehlt, sind Angaben zur europäischen Regulierung, Transparenz der Eigentümerstrukturen, nachvollziehbare Kapitalabsicherung und eine klare Haftungsarchitektur.
Je komplexer ein System wird, desto wichtiger werden klare Zuständigkeiten und Aufsicht. Genau hier liegt die entscheidende Schwachstelle. Für Anleger bedeutet das eine nüchterne Abwägung: Wer sich auf ein solches Konstrukt einlässt, investiert nicht nur in ein Produkt – sondern in ein Netzwerk, dessen Stabilität maßgeblich von Wachstum, Marketingdynamik und personeller Kontinuität abhängt. In einem regulierten Finanzmarkt ist Vertrauen institutionell abgesichert. In einem marketinggetriebenen Ökosystem muss es erst verdient werden.
Hinweis:
Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen, dokumentierten Nutzerberichten und redaktioneller Analyse. Er dient der Information der Öffentlichkeit und fällt unter die Presse- und Meinungsfreiheit gemäß Art. 5 GG, Art. 10 EMRK und Art. 85 DSGVO. Tatsachen und Bewertungen wurden sorgfältig getrennt und entsprechend gekennzeichnet.
Quellen
- Screenshots und Chatlog-Material (Telegram/WhatsApp, 2024–2026) archiviert.
- Vollständige Aufzeichnung des Exfusion-Calls vom 23.02.2026
- Eigene Verifizierung (Redaktion)
















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