eCredits, TAG Markets & Copy X: Werner Kaisers neue Kleider
Wie Werner Kaiser und Marina Graf eCredits-Geschädigte mit dem Märchen von einem „Wahnsinnsdeal“ zum Narren halten
Vergangene Woche leitete die ehemalige Lyoness/Lyconet Top-Marketerin Marina Graf einen Videocall unter dem Motto „Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, dann mach doch mit uns einfach gemeinsam Limonade draus!“ Als Beikoch stellte sich Grafs langjähriger Weggefährte Werner Kaiser zur Seite, mit dem sie dem Publikum gemeinsam ein angebliches Geheimrezept für die Rettung verloren geglaubter Investitionen auftischte. Über die juristisch fragwürdigen Aspekte dieses Calls haben wir im Beitrag „Regulierung als Fassade“ bereits berichtet – nun widmen wir uns den feinen, aber nicht unbedeutenden Unklarheiten, die die beiden Vertriebstalente „zwischen den Zeilen“ preisgaben.
„Weil wir alle mit bestem Wissen und Gewissen gearbeitet haben“: Das Ammenmärchen der Marina Graf
Bevor Kaiser seine neuen Kleider auf dem Forex-Parkett präsentieren darf, nimmt sich Marina Graf einige Minuten Zeit für die Vergangenheitsbewältigung in Sachen eCredits: „Du empfiehlst nie wieder jemandem was,“ habe sie sich seinerzeit geschworen. Grafs Monolog erweckt den Eindruck, die eCredits-Pleite sei ihr unangenehm in Erinnerung, „weil wir alle mit bestem Wissen und Gewissen gearbeitet haben.“ Und nach einigem naiv anmutenden Geplänkel kommt die angeblich rettende Lösung für alle Geschädigten mit pantomimischem Trommelwirbel: Bühne frei für Werner Kaiser als „der Mann, der diesen Wahnsinnsdeal möglich gemacht hat!“
Graf & Kaiser: Zwei nicht ganz unbekannte Namen aus der MLM- und Direct-Sales-Szene
Marina Graf, öffentlichkeitswirksam als „Top-Leader“ des Lyconet-Black-Diamond-Teams präsentiert, zählt seit Jahren zu jenen Personen, die über Luxusinszenierungen und Motivationsvideos als vertriebsstarke Promoterinnen auftreten – ohne jemals offizielle unternehmerische Verantwortung getragen zu haben.
Werner Kaiser, langjähriger Vertriebsakteur und ehemaliger International Sales Director im Umfeld der Lyoness Europe AG, später prominentes Gesicht von Safir/Zeniq und XERA/XPRO, tritt erneut als internationales Rekrutierungs-Aushängeschild auf.
Werner Kaisers Comeback und sein Narrenschiff im Ansturm auf den Forex-Markt
Was Marina Graf nicht erwähnt: Werner Kaiser hat seit seinem Rückzug aus dem Lyoness/Lyconet-Geflecht sprichwörtlich nichts anbrennen lassen, sondern eine ganze Weile lang im Umfeld eines anderen MLM-Scams fleißig mitgerührt: Er war bis zum Sommer 2025 in unterschiedlichen Positionen in der Führungsriege von XERA/XPRO sehr aktiv. Nun also einigermaßen überraschend: Kaisers Comeback hier mit gewohnt brühwarm wirkenden Behauptungen, die nach Halbwissen klingen, diesmal zum Thema Forex Markt. Seine einleitende Behauptung, dass der Forex-Markt der liquideste Markt der Welt ist, ist nicht zu bestreiten – doch hohe Marktliquidität bedeutet nicht automatisch hohe Gewinnsicherheit. Forex-Trading ist eine hochkompetitive Aktivität, dominiert von Banken, Market Makern und institutionellen Akteuren – nicht, wie hier von Kaiser propagiert, von Retail-Tradern oder Social-Trading-Communities.
„Liquidity Provider lieben dieses Business, denn sie können dabei eigentlich kein Geld verlieren“
Diese Aussage Kaisers ist fachlich falsch. Liquiditätsbereitstellung bedeutet immer Risiko. Kein professioneller Liquidity Provider (LP) der Welt behauptet, dass sein Risiko null ist. Jeder LP unterliegt regulatorischen Anforderungen und Risikomodellen. Die Aussage „man kann dort kein Geld verlieren“ ist nicht nur irreführend – sie ist als Investmentversprechen potenziell illegal.
Amplified Accounts – Unplausible Renditeversprechen als klassisches MLM-Narrativ
Kaisers Modell klingt spektakulär: 1.000 Dollar Deposit x12 oder x24 „Amplification“, also eine vielfache Erhöhung des Einsatzes. Man handelt Kaiser zufolge angeblich mit 12.000–24.000 Dollar realer Liquidität, doch entscheidende Punkte bleiben offen: Kein regulierter Broker der Welt gibt Fremdkapital ohne KYC/AML-Prozesse, Risikoprofil, rechtlich bindendes Funding Agreement, Challenge/Qualifikationstest. Prop-Trading-Firmen müssen strenge Anforderungen erfüllen, und selbst die haben Drawdowns, Limits und Risikoauflagen. Hier hingegen gibt es angeblich keine Challenge, es werden keine Risikolimits kommuniziert, Risikoverluste sind angeblich nahezu unmöglich. Diese Kombination ist in der professionellen Finanzwelt undenkbar.
Die Beispielrechnung: 1,26 % Monatsperformance ergibt bei x12 > 12 % und bei x24 > 24 % pro Monat bei angeblich minimalem Risiko. Solche Renditen existieren im regulierten Finanzmarkt nicht. Sie sind typisch für Schneeballsysteme, angebliche AI-Trading-Roboter, intransparente Copy-Trading-Modelle und MLM-basierte Trading-„Communities“. Das Überzeugungs-Muster ist bekannt: Klein anfangen – gigantisch hochskalieren – Risiko verharmlosen – Rendite maximieren.
Copy X, „Launchpad für Trader“ – Transparenzversprechen ohne überprüfbare Substanz
Das im Call vorgestellte „Social Trading“ ist grundsätzlich ein legitimes Konzept und besteht darin, dass Anleger nicht selbst traden müssen, sondern automatisch die Trades anderer – meist erfahrener Trader – kopieren können. Doch auch hier treten typische Warnsignale auf: Kaiser gibt keine Einblicke in Regulierung oder Lizenzierung. Es bleibt unklar, wo die Trader sitzen und wie Strategien geprüft werden. Er nennt auch keine Details zur Risikostruktur und kann keine öffentlich nachvollziehbaren Audits vorlegen. Seine Behauptung, 1.800 Trader wollten auf der Plattform Copy X gelistet werden, ist ein klassischer Quantitäts-Trick ohne Qualitätsbeweis und die Erwähnung eines myfxbook-Links zu einer Trading-Strategie namens „Sonic“ wirkt wie ein Feigenblatt: myfxbook ist kein Audit. Es kann manipuliert, kopiert oder gefälscht werden. Ohne verifizierte Track Records ist das alles nicht belastbar.
MLM-typisches Incentive-System – das eigentliche Geschäftsmodell?
Ganz nebenbei erwähnt Kaiser ein Detail, das uns als sehr bewährte MLM-Masche ins Auge sticht: „Wenn du es jemandem zeigst, dem es auch gefällt und der sich mit Copy X verknüpft, dann hast du, wenn er ein positives Ergebnis hat, ein Plus.“ Das riecht verdächtig nach Affiliate Marketing und es folgt eine weitere Zahlen-Dreherei, die in etwa so klingt: „70% Gewinn gehen an dich, 5% an den Trader, 25% per Trade an die Community; bei einem Deposit von 1000 Dollar, dann sind die 2,5% bezogen auf das 24fache“… Als Zuhörer steigt man hier schnell aus.
Die Wahrheit ist: Solche Konstruktionen existieren selten, um dauerhafte Trading-Erträge zu verteilen – sondern um das Rekrutieren neuer Teilnehmer finanziell attraktiver zu machen als das eigentliche Produkt. Damit verschiebt sich der Fokus vom Trading hin zum Weiterempfehlen – in vielen MLM-Modellen ist das der eigentliche Kern aller Bemühungen.
Zwischen den Zeilen: Weitere Unklarheiten und das Kleingedruckte
Warum ausgerechnet der gegen Null laufende Wert der eCredits plötzlich am Forex-Markt in die Höhe schnellen soll, bleibt bis zum Schluss ein Rätsel. Wir erfahren von Kaiser lediglich: „Marina hat dafür gefightet, dass die Broker den Token mit Gegenwert zu 1 Dollar annehmen.“ Und nachdem Kaiser mehrfach betont, dass der Investitionserfolg sich selbst mit einem Einsatz von „zehn Dollar” schon bemerkbar macht, rückt Marina Graf im Abspann des Videocalls mit einer MLM-typischen Masche heraus: „Ich persönlich sage immer: Nimm die Summe, mit der du dich wohlfühlst,” und schiebt im gleichen Atemzug das von Kaiser nur beiläufig erwähnte, „sehr, sehr spannende” Affiliate Marketing Konzept hinterher: „Man will ja auch automatisch anderen Menschen was Gutes tun in seinem Umfeld, in seiner Community.” Und jetzt kommt der Haken: Dieses Affiliate wird erst ab 250 Dollar einmaliges Deposit freigeschaltet und nur mit dem Referral Link vom Gastgeber speziell verknüpft – wer sich selbstständig anmeldet, bekommt man „den Deal” nicht.
Fazit: Die „Magie“ entsteht nicht durch Trading – sondern durch MLM-Marketing
Viele von Kaisers Aussagen rund um TAG Markets und die Amplified Accounts ähneln frappierend den Versprechungen früherer Network-Trading-Projekte, die später kollabierten – besonders in den letzten Atemzügen von XERA/XPRO gab es solcherlei Calls zu TAG Markets nahezu wortgleich. Die technischen Begriffe wirken seriös, Kaisers Präsentation für gutgläubige Ohren professionell – aber: Die vorgestellten Modelle und Strategien widersprechen aus unserer Sicht grundlegenden Marktmechanismen, die Renditen erscheinen unrealistisch. Die Risiken werden unserem Eindruck nach systematisch verharmlost. Die Vergütungsstruktur wirkt, wenig überraschend, wie ein aufgewärmter Abklatsch der bereits bekannten MLM-Systeme.
Hinweis:
Dieser Beitrag stellt eine journalistische Analyse dar. Er basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen (Blocktrade-Blog, Banxa-Pressemitteilungen, Trustpilot-Bewertungen, BBB-Beschwerdedaten, Registerangaben zu MiCA-Lizenzierung, Stand 04. November 2025). Es handelt sich nicht um eine rechtliche Bewertung oder Finanzberatung. Alle Einschätzungen sind nach bestem Wissen recherchiert und als Meinung im Sinne von Art. 10 EMRK / Art. 5 GG gekennzeichnet. Gegendarstellungen werden gemäß § 56 RStV berücksichtigt.
Quellen:
FSC Mauritius – Public Notice (27.03.2024)
Bestätigung der Rückgabe und Beendigung der Lizenz GB21026474 (Pure North Markets Ltd.).
Kein Eintrag mehr im aktuellen FSC-Register; keine Zuordnung zu T.M. Financials Ltd.
FSC Register of Licensees (Stand: 26.11.2025)
Keine aktive Lizenz GB21026474; T.M. Financials Ltd. nicht als Investment Dealer geführt.
Firmenregister
Pure North Markets Ltd.: ehemaliger Lizenzinhaber, Lizenz beendet.
T.M. Financials Ltd. (Mauritius): keine Investment-Dealer-Genehmigung.
Tag Markets Ltd. (St. Lucia): IBC ohne Finanzaufsicht.
Primärmaterial (Redaktion)
Vollständige Aufzeichnung des Calls vom 26.11.2025 (Kaiser/Graf):
Werbung für T.M. Financials Ltd. als angeblich „FSC-reguliert“, Nutzung der erloschenen Lizenznummer, irreführende Aussagen zu eCredits und Copy-Trading.
Screenshots und Chatlog-Material (Telegram/WhatsApp, 2024–2025) archiviert.
Personenrecherche
Werner Kaiser: frühere Führungs- und Vertriebsrollen bei Lyoness/Lyconet/myWorld; CSO/Promoter bei Safir/Zeniq (2021–2022); internationale Rekrutierung bei XERA/XPRO.
Marina Graf: Black-Diamond/Lyconet-Promoterin; ÖWA-/Hannover-Team; Auftritt im Call vom 26.11.2025.
Öffentlich zugängliche Analysen
BrokersReviewer.com, TraderKnows.com: Hinweise auf fehlende Regulierung und Auszahlungsprobleme bei Tag Markets.
BEKM.eu: Recherchen zu Lyconet-Promotern und Marketingstrukturen.
Weitere Watchdog-Analysen zu Safir/Zeniq/XERA.
Nutzerberichte
Beschwerden über verweigerte Auszahlungen, interne Simulationsgewinne, Kontosperren und intransparenten Support (Reddit, Trustpilot, Telegram-Gruppen).
Eigene Verifizierung (Redaktion)
Abgleich FSC-Daten, Domain-/Firmenprüfung, Sicherung des Calls und sämtlicher relevanter Screenshots.














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