Geldflüsse ohne Gegenwert? Lyconet-Führung unter Druck
Patronat, Cash-Drain, Schwester-Darlehen – Lyconet-Führung im Visier der Insolvenzverwalter
Was lange als „Restrukturierung“ der myWorld-/Lyconet-Struktur dargestellt wurde, könnte nach internen Unterlagen ein System interner Selbstfinanzierung gewesen sein.
Dokumente aus dem Frühjahr und Sommer 2025, die unserer Redaktion vorliegen, zeigen: Zahlungen blieben aus, Garantien wurden nicht erfüllt und Gelder flossen über Jahre hinweg an Gesellschaften im Ausland, deren wirtschaftlicher Zweck bislang nicht abschließend geklärt ist.
Im Zentrum steht Hubert Freidl, der sich selbst als „Spiritus Rector“ der Unternehmensgruppe bezeichnete. Nach den vorliegenden Berichten soll er im März 2025 eine Garantie- bzw. Darlehenszusage über rund 400.000 Euro abgegeben haben, um die Gruppe zu stabilisieren.
Eine Auszahlung dieser Mittel sei laut interner Darstellung nicht erfolgt.
Als die Insolvenz der zentralen Gesellschaften im Sommer 2025 absehbar wurde, forderte eine beteiligte Gesellschaft die Erfüllung der Zusage ein. Die Antwort von Herrn Freidl: Die Erklärung sei durch die „Gesamtinsolvenz“ gegenstandslos geworden. Eine Klage beim vereinbarten Gerichtsstand in Graz wird derzeit vorbereitet.
Zahlungsflüsse ohne klaren Leistungsnachweis
Parallel dazu zeigen interne Analysen, dass zwischen 2019 und 2025 regelmäßig fünf- bis sechsstellige Beträge an ausländische Gesellschaften überwiesen wurden, deren wirtschaftlicher Hintergrund bislang nicht belegt ist.
Genannt werden unter anderem:
- GIT Global Investment LLC (Zypern, gelöscht) – ca. 2,39 Mio. €
- Sam White Ltd (Malta, Gesellschafter: Interass Holding Ltd., Andreas Galler) – ca. 2,39 Mio. €
- WWBG Global FZ LLC (VAE) – ca. 882.000 €
Nach Einschätzung der internen Prüfer stehen die diversen Zahlungen im Zusammenhang mit Marketing- oder Vertriebspartnerstrukturen, wie aus den bislang vorliegenden Informationen hervorgeht. Belege hierfür werden derzeit ausgewertet.
Verdacht auf konzerninterne Querfinanzierung
Ein weiteres Dokument betrifft die Beziehungen zwischen der Lyconet Global AG (Schweiz) und der Lyconet Austria GmbH. Demnach wurden in den Jahren 2024 und 2025 wiederholt Darlehen gewährt, obwohl die Schweizer Gesellschaft nach internen Feststellungen bereits nicht mehr rückzahlungsfähig war. Nach österreichischem Recht (§ 82 GmbHG) kann eine solche Querfinanzierung als Verstoß gegen das Kapitalerhaltungsgebot gewertet werden.
Die Unterlagen deuten darauf hin, dass diese konzerninternen Transaktionen über die Lyconet Marketing Agency koordiniert wurden, unter der faktischen Leitung von Hubert Freidl und Marko Sedovnik. Ob hierin eine rechtlich unzulässige Konzernfinanzierung zu sehen ist, wird erst eine gerichtliche Klärung ergeben.
Zwischen Verantwortung und Rückzug
Nach außen wurde weiter von Stabilität und neuen Kooperationen gesprochen, intern jedoch wiesen die Prüfer bereits im Frühjahr 2025 auf eine kritische Liquiditätslage hin. Das von Herrn Freidl erklärte „Patronat“ erwies sich aus heutiger Sicht eher als symbolischer Akt denn als tatsächliche Finanzierungsmaßnahme.
Die internen Analysen zeigen: Schon zu diesem Zeitpunkt waren die zentralen Gesellschaften offenbar überschuldet, offene Steuerverbindlichkeiten bestanden und die Zahlungsfähigkeit war stark eingeschränkt.
Fazit: Zwischen Verantwortungsflucht und Aufarbeitung
Die vorliegenden Unterlagen werfen erhebliche Fragen zur finanziellen Transparenz, Haftung und Unternehmensführung innerhalb der Lyconet-/myWorld-Struktur auf. Sollten sich die dokumentierten Darlehensbeziehungen und Garantiezusagen bestätigen, könnte dies rechtlich als Verstoß gegen Kapitalerhaltungsvorschriften oder als unerlaubte Konzernfinanzierung gewertet werden.
Insbesondere bleibt unklar, warum über Jahre hinweg Zahlungen an ausländische Gesellschaften ohne klar nachvollziehbare Gegenleistung erfolgten und weshalb an einer internen Finanzierung festgehalten wurde, die nach geltendem Recht problematisch sein dürfte. Ebenso stellt sich die Frage, weshalb der zentrale Initiator der Gruppe, Hubert Freidl, seine eigene Finanzierungszusage bislang nicht erfüllt hat.
Während zahlreiche Vertriebspartner weiterhin auf Aufklärung hoffen, verdichtet sich der Eindruck, dass der wirtschaftliche Zusammenbruch der myWorld-/Lyconet-Struktur nicht allein Folge äußerer Umstände, sondern Ergebnis struktureller Fehlentscheidungen und systemischer Fehlsteuerung war.
Was einst als internationales Cashback-Imperium galt, endete in einem Geflecht aus internen Darlehen, Auslandstransaktionen und juristischen Fragestellungen, deren abschließende Beurteilung nun Gerichten und Aufsichtsbehörden vorbehalten bleibt.
Hinweis:
Dieser Artikel basiert auf vorliegenden Quellen, dokumentierten Beschwerden von Investoren und einer offiziellen Presseanfrage an Blocktrade. Es handelt sich um eine journalistische Analyse. Alle Aussagen über rechtliche Risiken oder mögliche Vertragskonstellationen sind als Einschätzungen zu verstehen, nicht als abschließende Rechtsberatung.
Quellen:
Interner Bericht zur Vermögenssituation, Stand 09/2025
Firmenbuchauszüge Österreich / Schweiz, Stand 2025
Interne Korrespondenz zur Patronatserklärung Hubert Freidl (12.09.2025)
Analyse der Kostenpositionen 2019–2025 („Cash-Drain“)













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