PR statt Aufarbeitung? Wie ein Schneeballsystem seine Geschichte neu schreibt.
Glänzende Erzählung – unbequeme Realität
Während öffentlich eine neue Erfolgsgeschichte erzählt wird, kämpfen tausende ehemalige Teilnehmer noch mit den Folgen des Zusammenbruchs. Zwischen PR-Inszenierung und Insolvenzrealität klafft eine Lücke, die sich nicht mit wohlklingenden Narrativen schließen lässt. Die Vergangenheit des Systems ist weder abgeschlossen noch aufgearbeitet – weder wirtschaftlich noch juristisch. Umso mehr stellt sich die Frage, warum jetzt neue Rollen propagiert werden, bevor Verantwortung für die alten übernommen wurde.

Ein kürzlich veröffentlichter Beitrag bei cbherald.com ( https://cbherald.com/hubert-freidl-entrepreneur-who-scaled-across-50-countries-and-reached-millions-of-customers-now-advising-select-ventures-from-dubai/amp/amp/ ) zeichnet ein positives Bild des Unternehmers Hubert Freidl und stellt ihn als global erfolgreichen Visionär dar, der nun aus Dubai heraus ausgewählte Projekte berät. Die Erzählung: internationale Expansion, Millionen Nutzer, unternehmerischer Weitblick.
Doch diese Darstellung steht in einem deutlichen Spannungsfeld zu den Entwicklungen rund um das frühere Geschäftsnetzwerk von Lyoness, Lyconet und myWorld.
Während die PR eine Erfolgsgeschichte fortschreibt, ist die Realität für viele Betroffene eine völlig andere.
Ein System im Kollaps
Die Fakten sind dokumentiert:
• Die myWorld Austria GmbH wurde im August 2025 geschlossen
• Die myWorld International AG wurde im August 2025 geschlossen
• Die Lyconet Austria GmbH ist insolvent, das operative Geschäft eingestellt
• Die Lyoness Europe AG wurde im Herbst 2023 geschlossen
• Inzwischen wurden Dutzende Ländergesellschaften ebenfalls geschlossen
• Gläubigerforderungen in Millionenhöhe stehen im Raum
• Gleichzeitig sind nur minimale Vermögenswerte vorhanden
Die Insolvenzverwalter sprechen von Masseunzulänglichkeit – ein Begriff, der deutlich macht: Selbst die Kosten des Verfahrens sind kaum gedeckt.
Offene Forderungen – offene Verantwortung
Ein Großteil der Forderungen stammt von Marketern („Shoppern“), die Rückabwicklungen oder Schadenersatz geltend machen.
Dabei zeigt sich ein klares Bild:
• Ein Großteil der Forderungen wird bestritten
• Die Rechtslage ist komplex und vielfach ungeklärt
• Zahlreiche Verfahren sind anhängig oder wurden geführt
Zusätzlich wurden Strafanzeigen eingebracht, die unter anderem Vorwürfe im Zusammenhang mit Betrug, Pyramidensystemen und Kapitalanlagekonstruktionen betreffen. Diese Vorwürfe sind Gegenstand laufender Verfahren und bedeuten keine Vorverurteilung – sie zeigen jedoch, wie tief die juristische Aufarbeitung reicht.
Produkte wie „Mediaboxen“ – Symptom eines Systems
Innerhalb des Systems wurden Produkte wie sogenannte „Mediaboxen“ vertrieben – aus Sicht vieler Kritiker ein Beispiel für:
• schwer nachvollziehbaren wirtschaftlichen Nutzen
• fehlende Transparenz
• eingeschränkte oder ausgeschlossene Rückgabemöglichkeiten
Für viele Teilnehmer sind genau solche Produkte heute Teil der offenen Streitfragen – nicht Teil einer Erfolgsgeschichte.
PR aus Dubai – und viele unbeantwortete Fragen
Der aktuelle Artikel wird über eine in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Struktur verbreitet („MEDIAWORLD ADVERTISING INTERNATIONAL FZE“).
Auffällig ist dabei weniger die Existenz solcher PR-Strukturen – sondern die Konsequenz der Auslassungen:
• kein Wort zu Insolvenzen
• kein Wort zu offenen Forderungen
• kein Wort zu laufenden Verfahren
Stattdessen: eine konsequent einseitige Darstellung der Vergangenheit.
Die entscheidende Frage
Angesichts dieser Diskrepanz drängt sich eine Frage auf:
Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Imagepflege – oder für Verantwortung?
Für viele ehemalige Marketer und Teilnehmer geht es nicht um Narrative, sondern um reale Verluste, offene Ansprüche und ungeklärte Sachverhalte.
Fazit
Die Geschichte, die derzeit erzählt wird, handelt von Erfolg, Expansion und neuen Rollen.
Die Geschichte, die viele Betroffene erleben, handelt von Insolvenzen, offenen Forderungen und ungeklärten Verantwortlichkeiten.
Bevor neue Kapitel geschrieben werden, erwarten viele eine Aufarbeitung der alten – gegenüber den eigenen Vertriebspartnern ebenso wie im Rahmen der zuständigen Justiz.
Hinweis
Dieser Beitrag dient der sachlichen Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und stellt keine Vorverurteilung dar.
Quellen:
- Insolvenzverfahren der myWorld International AG
- Insolvenzbericht Lyconet Austria GmbH
- Internationale Beteiligungen der myWorld-Gruppe
- Öffentliche Online-Artikel (z. B. cbherald.com)














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