Vision.One nach der VOO-Pleite – der nächste Rebranding-Zyklus?
Während die Insolvenzverfahren der österreichischen VOO-Firmen weiterlaufen, beschwören die Verantwortlichen in ihren Telegram-Kanälen weiterhin neue Zukunftsvisionen. Unter den Schlagworten NOMO Ecosystem, Vision.One Genossenschaft und Copper Project soll die Community motiviert und weiter an das Netzwerk gebunden werden. Doch halten die Versprechen der Realität stand?
Das neue Narrativ: „Wir sind Teil eines globalen Systems“
In der jüngsten Nachricht an die Telegram-Community preist Vision.One das angeblich vollständig entwickelte „NOMO Ecosystem“ an – ein digitales Universum, das laut Text das Potenzial habe, sich als „globaler Gamechanger“ zu etablieren.
Laut der Selbstdarstellung ist VISION.ONE eine europäische Genossenschaft mit Sitz in Österreich. Ihr Hauptziel sei die Förderung des Einkommens und wirtschaftlichen Wachstums der Mitglieder durch die Investition in vielversprechende Projekte in der Realwirtschaft und der Krypto-Ökonomie.
Die Rhetorik knüpft nahtlos an frühere Marketingphasen von Safir/ZENIQ, VOO und AVINOC an:
- große Vision,
- Betonung des Gemeinschaftsgefühls,
- fehlende konkrete Daten zu Produkt, Umsätzen oder Verantwortlichkeiten.
Die „Vision.One Genossenschaft“ – was steckt dahinter?
Die in den vergangenen Monaten immer wieder beworbene Vision.One Genossenschaft wird als „Rückgrat“ des NOMO-Systems bezeichnet. Doch es stellen sich sehr viele Fragen zur Substanz dieses Systems.
Wer Mitglied werden möchte, kann mit einem einmaligen Beitrag von 100 EUR einen Genossenschaftsanteil erwerben. Ab dem zweiten Jahr wird eine jährliche Mitgliedsgebühr von 100 EUR erhoben. Geboten werden damit der „exklusive“ Zugang zu Investmentmöglichkeiten wie BONDEXONE und COPPER.ONE, und wie in vielen MLM-Vorläufern ein lukratives Einkommen durch Empfehlungssysteme und Netzwerkprovisionen.
Doch wer sich für weiterführende Informationen zum rechtlichen Status der VISION.ONE Genossenschaft interessiert, der sucht vergebens: Eine offizielle Eintragung als eingetragene Genossenschaft (e.Gen.) im österreichischen Firmenbuch (Genossenschaftsregister) ist nicht zu finden. Dies wirft Fragen zur Rechtsfähigkeit und zum regulierten Status der Genossenschaft auf. Dass solche Fragen auch in den Teilprojekten unbeantwortet bleiben, haben wir z.B. in unserer kritischen Analyse zur COPPER.ONE Kampagne bereits berichtet.
Kritisch betrachtet bleibt somit unklar, welche juristische Struktur diese „Genossenschaft“ tatsächlich hat und wie die Mitgliedsbeiträge verwendet werden. Die Versprechen, darunter ein automatisch zugeteiltes IBAN-Konto („NOMO Pay“), werden ohne Details zu Bankpartner, Lizenz oder regulatorischem Rahmen beschrieben.
Kupfer statt Krypto: Das „Copper Project“
Ein weiterer Abschnitt bewirbt erneut das sogenannte Copper Project, welches nun als COPPER ONE explizit als exklusive Investmentmöglichkeit der Genossenschaft geführt wird. Kupfer wird als „besser als Gold“ und als „exklusive Investmentchance“ dargestellt.
Konkrete Details – etwa zur Unternehmensstruktur, zum Standort oder zu nachprüfbaren Marktdaten – fehlen. Bereits im Frühjahr hatten kritische Berichte Parallelen zu früheren, unregulierten Investment-Konstrukten gezogen.
Telegram-Strategie: Informationsfluss unter Kontrolle
Zeitgleich mit dieser Nachricht wurden die .One-Telegram-Gruppen für Mitglieder gesperrt. Offiziell, um Spam und Betrug zu vermeiden. Praktisch bedeutet das:
- Nur noch Administratoren dürfen posten,
- Rückfragen und Diskussionen sind ausgeschlossen,
- kritische Stimmen werden stumm geschaltet.
Das Kommunikationsmuster ist bekannt: Sobald Zweifel oder Druck zunehmen, werden Kanäle zu Einbahnstraßen. „Communityschutz“ ersetzt Transparenz.
Ein Déjà-vu im Krypto-Marketing
Der Tonfall und die Struktur der neuen Botschaft erinnern stark an frühere Phasen von Safir, ZENIQ und AVINOC:
- emotionale Appelle („Ihr seid das Fundament“),
- Betonung der Größe des „Ökosystems“,
- Einführung neuer Marken, während alte Projekte ungelöst bleiben.
Unsere Recherchen zeigen zudem, dass die internationalen Firmenkonstrukte – VOO International DMCC (Dubai), VOO AG (Zug) und Pareto Avinoc Ltd. (Hong Kong) – weiterhin aktiv sind. Wir berichteten bereits über den Verdacht, dass diese Restrukturierung als Fassade für Vermögensverschiebung dienen könnte.
Fazit: Gleiche Akteure, neue Vokabeln – WARNUNG vor unklaren Verhältnissen
Die aktuelle Vision.One-Mitteilung setzt das bekannte Muster fort: Rebranding statt Aufklärung, Mitgliedsbeiträge statt Produktumsätze, Optimismus statt Transparenz. Für Beobachter drängt sich der Eindruck auf, dass die Insolvenz der österreichischen VOO-Firmen lediglich den Übergang zu einer neuen Etappe desselben Netzwerks markiert – diesmal unter dem Label NOMO Ecosystem.
Obwohl die Genossenschaft eine regulierte Form verspricht, weisen die unklaren Registrierungsverhältnisse, das Fehlen einer FMA-Genehmigung und die Parallelen zu vorangegangenen, insolventen Projekten auf ein erhöhtes Risiko hin.
Hinweis / Rechtliches: Dieser Beitrag stellt eine journalistische Analyse dar. Er enthält sowohl überprüfbare Tatsachenangaben (mit Quellen) als auch Wertungen im Sinne von Meinungsäußerungen gemäß Art. 5 GG / Art. 10 EMRK. Alle Einschätzungen beruhen auf öffentlich zugänglichen Informationen und eigenen Recherchen (Stand: 27.10.2025). Betroffene Unternehmen haben die Möglichkeit zur Stellungnahme und Gegendarstellung.
Quellen:
Telegram-Chat .One













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