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Rückdatiert oder rechtens? Streit um Service Agreement bringt Safir.com in die Bredouille

21. Juli 2025

Im Umfeld des Krypto-Projekts Safir.com bahnt sich ein möglicher Wirtschaftskonflikt mit strafrechtlicher Dimension an, der nun erneut die österreichische Justiz beschäftigt. Im Zentrum steht ein umstrittenes „Service Agreement“ (SA), das nach Darstellung mehrerer Kläger in einem Millionenprojekt rückdatiert worden sein soll. Das Dokument spielt eine Schlüsselrolle in einer Auseinandersetzung um Eigentumsrechte, Kundendaten und dreistellige Millionenbeträge im internationalen Krypto-Geschäft.

Die Vorwürfe stützen sich auf Eingaben, die dem Landesgericht für Strafsachen Wien vorgelegt wurden und unserer Redaktion vollständig vorliegen. Darin erheben die Kläger schwerwiegende Anschuldigungen gegen mehrere ehemalige Geschäftspartner sowie gegen die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Der WKStA wird darin vorgeworfen, zentrale Ermittlungen unterlassen und wichtige Beweismittel bislang nicht geprüft zu haben. Die Behörde soll den Vorgang bislang als zivilrechtliche Auseinandersetzung eingestuft und keinen ausreichenden strafrechtlichen Anfangsverdacht erkannt haben.

Nach Angaben der Kläger wurde das Service Agreement, das den Betrieb von Safir.com regeln soll, erst im Herbst 2022 erstellt, jedoch rückdatiert auf Juni 2021. Aus ihrer Sicht diente es dazu, sie systematisch aus dem Projekt zu drängen und anderen Beteiligten die Kontrolle über Plattform, Kundendaten und Umsätze zu verschaffen. Als Beleg führen sie Dokumente, E-Mails und archivierte Webseiten an, die zeigen sollen, dass ursprünglich ihr Unternehmen Eigentümer der Technologie und Betreiber der Vertriebsplattform gewesen sei.

Technische Verflechtungen mit ZENIQ

Besonders brisant: Nach Angaben der Kläger geht es nicht nur um den Betrieb der Plattform Safir.com, sondern auch um weitreichende technische und wirtschaftliche Verflechtungen mit dem Krypto-Projekt ZENIQ. Recherchen zufolge sind zentrale Elemente des ZENIQ-Ökosystems, darunter Token, Smart Contracts und Apps, eng mit der Infrastruktur von Safir.com verbunden. In öffentlich einsehbaren Domain- und Blockchain-Daten zeigen sich laut Klägern Überschneidungen, etwa bei Hosting-Diensten, Registrierungsstellen und Smart-Contract-Adressen.

Technische Analysen deuten zudem auf Wallet-Adressen, die mit Konten bei Safir in Verbindung gestanden haben sollen. Diese Nähe wirft aus Sicht der Kläger weitere Fragen zur tatsächlichen Eigentums- und Kontrollstruktur auf, insbesondere im Hinblick auf die Verwaltung von Kundengeldern und Token-Emissionen.

Widerspruch der Gegenseite

Die betroffenen Personen und Unternehmen weisen die Vorwürfe entschieden zurück. Die Kläger seien, so die Gegenseite, lediglich als externe Zahlungsdienstleister tätig gewesen. Die Darstellung, sie seien gezielt aus dem Projekt gedrängt worden, entbehre jeder Grundlage. Auch eine Rückdatierung des Service Agreements wird bestritten.

Die Kläger hingegen kritisieren nicht nur den Inhalt des Vertragswerks, sondern auch dessen verspätete Vorlage. Sollte das Service Agreement bereits seit Juni 2021 rechtsgültig sein, sei nicht erklärbar, warum es erst im Oktober 2022 eingereicht worden sei. Zudem fehlten laut ihrer Darstellung Metadaten, Originaldokumente und Zahlungsnachweise, die die Echtheit des Vertrags belegen könnten.

Ein Fall mit Signalwirkung

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie definiert und verfolgt die österreichische Justiz wirtschaftskriminelle Sachverhalte im Bereich digitaler Finanzmärkte? Die Kläger mahnen an, die Vorwürfe nicht als bloßen Zivilstreit abzutun. Aus ihrer Sicht stehen Millionenbeträge und gezielte Vermögensverschiebungen im Raum, mit potenziell strafrechtlicher Relevanz.

Fazit

Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, könnte der Eindruck entstehen, dass durch ein rückdatiertes Vertragswerk gezielt Vermögenswerte verschoben wurden, möglicherweise zulasten der ursprünglichen Technologieinhaber. Der Fortführungswerber fordert daher eine umfassende Fortführung der Ermittlungen. Er kritisiert, dass zentrale Beweisfragen bislang unbeantwortet geblieben seien.

Der Fall zeigt exemplarisch, wie eng wirtschaftliche Konflikte und strafrechtliche Relevanz im Krypto-Sektor miteinander verflochten sein können – und wie wichtig es ist, regulatorisch genau hinzusehen, wenn Vertrauen, Kapital und Eigentumsrechte auf dem Spiel stehen.

Hinweis:
Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information, journalistischen Analyse und unabhängigen Meinungsbildung im Sinne von Artikel 5 GG sowie § 51 UrhG. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und sorgfältiger Recherche, eine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität kann jedoch nicht übernommen werden.

Die Nennung von Unternehmen, Personen oder Projekten basiert auf überprüfbaren Fakten oder klar gekennzeichneten Meinungsäußerungen. Die Veröffentlichung steht unter dem Schutz der Pressefreiheit; Quellen unterliegen dem journalistischen Quellenschutz.

Quelle:

  • Technische Analyse & Kritik
    → Thematisiert technische und organisatorische Überschneidungen zwischen Safir, ZENIQ und Nachfolgeprojekten wie XPRO.
  • Öffentlich einsehbare Smart-Contracts und Token-Adressen
    Einträge auf CoinMarketCap und Blockchain-Explorern (z. B. BscScan) dokumentieren die Verbindungen von ZENIQ-Token zu Wallets, die mit Safir in Verbindung gebracht werden.
  • Verflechtung von Marken & Vertrieb
    Unternehmensprofile auf LinkedIn zeigen organisatorische Verknüpfungen zwischen Safir Global, ZENIQ Technologies und assoziierten Marketingnetzwerken.
  • Anwaltliche Stellungnahme
    Der Redaktion liegt eine juristisch Stellungnahme vor.
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